130325IBA2Harburg – Senatorin Jutta Blankau betonte wieder einmal, dass sie eine „alte Harburgerin“ sei, dann eröffnete sie offiziell den südlichsten Teil der IBA 2013 auf

der Schlossinsel. Die vielleicht 100 Gäste vor der improvisierten IBA-Bühne, dort wo bis vor kurzem noch die Wohncontainer der Bauarbeiter gestanden hatten, kniffen die Augen zusammen. Nicht etwa, weil sie vor Rührung und auch ein bisschen Stolz mit den Tränen zu kämpfen hatten. Nein, die Bühne war leider so aufgestellt worden, dass die Eröffnungsgäste voll in die helle Wintersonne blicken mussten. So manch Fotograf, der die Bühne mit dem Kulturkran im Hintergrund fotografieren wollte, zog schimpfend von dannen.

Das war nicht die einzige Panne an diesem Tag. Pünktlich zur Eröffnung der Internationalen Bauausstellung musste auch der geplante Brückenschlag über den Lotsekanal improvisiert werden. Dass der Landesbetrieb Straßen, Brücken, Gewässer die Ausschreibung für die schicke Drehbrücke vermurkst hatte, war gerade verkraftet. Dass der Landesbetreib nun aber nicht einmal die Betriebskosten für eine Ersatzlösung übernehmen will, ist viel ärgerlicher. Da konnte man schließlich nur noch grinsen, als  die Ersatzlösung für die Ersatzlösung am Eröffnungstag auch noch vom Winde verweht wurde. Statt der Drehbrücke sollte eine provisorische Pontonbrücke kommen, und da die auch nicht rechtzeitig kommen konnte, sollte es luftige Ballonfahrten geben. Dann kam der Wind, und Kran samt Ballon verschwanden wieder. Außer Spesen – kolportiert wird eine Summe von 2000 Euro –  nichts gewesen.

Ansonsten ist die IBA in Harburg eher die UBA, die Unfertige Bauausstellung oder sogar die TUBA, die Total Unfertige Bauausstellung. Projekte wie das Wohnen am Kaufhauskanal oder das studentische Wohnen am Schellerdamm haben noch nicht einmal den ersten Spatenstich erfahren. Die Brücke über den Lotsekanal wird es, dass ist anhand der Ausschreibungsmodalitäten bereits abzusehen, nie in der ursprünglichen Form als Drehbrücke geben. Fertig ist eigentlich nur der IBA-Park. Und der liegt unter Schnee. Und dann ist da noch der Zug der Ideen, der bereits zu Werbezwecken quer durch Deutschland tingelte, bevor er in Harburg auf das Endgleis kam. Immerhin, so wurde am Abend der ersten IBA-Tages im Binnenhafen erzählt, hat er 700 Besucher angezogen.

Das alles ist natürlich kleinliche Kritik! Geradezu piefig. Die IBA tut der Schlossinsel und dem Areal rundherum gut. Sie hat vieles in Bewegung gesetzt, Barrieren gebrochen, gelegentlich auch Begriffe wie „Bestandschutz“ in Frage gestellt. Das ist gut so. Nun wimmelt es im Binnenhafen nicht nur vor Hamburgern, die noch nie in Harburg waren. Es wimmelt auch vor Pionieren, die verstanden haben, dass Harburg mit der IBA eine einmalige Chance geboten wird und die den Mut haben, in dieser Situation etwas zu wagen – auch vergleichsweise kleinere Unternehmungen wie ein Café in der Marina auf der Schlossinsel  oder ein Buch über die Geschichte des Kanalplatzes. ag/zv

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