110822WasserrohreBinnenhafen- Was auf den ersten Blick wie ganz normales Baumholz anmutet, ist in Wahrheit ein großes Stück Harburger Geschichte. Auf dem Areal am Lotsekanal, wo direkt neben den neuen Wohnungen auf der Schloßinsel eine Parkanlage entsteht, traten

vor einigen Tagen bei Baggerarbeiten alte Wasserleitungen zu Tage. Diese sind nach aktuellem Kenntnissstand Relikte aus dem 16. Jahrhundert.

Eine Zeit in der auf der Schloßinsel, die damals noch von Harburg abgetrennt war, der Herzog Otto residierte. Inzwischen kümmert sich das Team von Stadtarchäologin Dr. Elke Förster aus dem Helms-Museum um die historischen Wasserleitungen. "Wir begleiten die Baggerarbeiten genauso wie der Kampfmittelräumdienst", so Förster. Die Forscherin hat bereits einzelne Proben aus der Baugrube entnommen, "diese werden in einigen Tagen dem Ordinariat für Holzbiologie in Hamburg-Bergedorf zugeführt. Dort wird das Holz eingehend untersucht und abgeglichen, so dass man anhand der Ringe das genaue Fällungsdatum datieren kann."

Nach weiteren Bauarbeiten kam ein beeindruckendes, zusammenhängendes System mehrerer Rohre zum Vorschein. Doch das ist noch nicht alles: Das Forschungsteam um Förster geht davon aus, dass die Wasserleitungen vom Lotsekanal bis zur Hölertwiete in Harburg reichen, von wo aus das Wasser zum Schloss befördert wurde. Museums-Direktor Rainer Maria Weiss, zeigt seine Freude über den Fund: "Das eine solche Verbindung in der Stand- und Bauzeit im 16. Jahrhundert hergestellt werden konnte, ist eine bemerkenswerte Leistung. Schließlich waren die technischen Mittel damals eher begrenzt." Die Wasserohre sind ausgehöhlt, am Ende abgeschnitzt und mit sogenannten Metallklemmen miteinander verbunden.

Diese Klemmen sind aus sehr stabilem Eisen gefertigt, eine Tatsache die auf handwerkliche Geschicklichkeit und technisches Wissen schließen lässt. Weiss meint: "Es könnte sein, dass die Klemmen ihre Festigkeit durch starke Erhitzung und anschließende Abkühlung erhalten haben. Das sind aber nur Vermutungen." Einige Rohre sind schon aus dem Bauloch gehoben worden, andere noch nicht. Das die Relikte nach über 500 Jahren in einem einwandfreien Zustand sind, haben die Forscher der speziellen Bodenbeschaffenheit zu verdanken. Die Expertin erklärt:"Die Rohre sind bis heute in einem feuchten Bodenmillieu eingelegt und von einer Sand- und Kleischicht umhüllt. Außerdem liegen die Leitungen 25 Zentimeter über einer Sandschicht, wo das Grundwasser durchdrückt." Vor Moos und Tieren war das Holz damit gut geschützt und nicht angreifbar.

Die restlichen Leitungen wird der Bagger unter der Aufsicht des Archäologen-Teams nach oben befördern. Doch vorher heisst der Auftrag für Prof. Förster: Dokumentieren und festhalten. Auch der Museums-Direktor ist sich um den historischen Wert des Sensationsfundes bewusst, weshalb es Überlegungen gibt, ein Stück im Helms-Museum auszustellen. "Ein solches Wasserrohr ist in Harburg eine Besonderheit, dass für Austellungen interessant sein könnte. Allerdings müssen wir da noch abwarten."

Die Arbeiten auf der Schloßinsel, auf der mit dem 60-Millionen-Projekt "Balance Bay" 180 hochwertige Wohnungen realisiert werden, sollen Anfang 2012 abgeschlossen sein. Bis dahin rechnet Weiss noch mit weiteren Funden: "Wir sind sehr gespannt, was uns da noch so erwartet." (pw)

 

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