130204vta Neugraben- Er ist der Feuerwehrmann des VT Aurubis. Als Manager Helmut von Soosten beim Bundesliga-Team nach dem Rauswurf von Jean-Pierre Staelens am 9. Januar das "Ruder" übernahm, stand die finistere Bilanz von

acht Niederlagen in zwölf Spielen zu Buche.

Der VTA belegte zum Jahreswechsel gerade mal Platz neun und "hinkte" damit den eigenen Ansprüchen meilenweit hinterher. Im ganzen Verein herrschte Endzeitstimmung.

Knapp fünf Wochen später ist davon fast nichts mehr zu spüren. Die Hamburgerinnen haben sich inzwischen auf den sechsten Rang vorgearbeitet, der am Ende der Spielzeit zur direkten Qualifikation der Play-Offs reichen würde. Unter der Regie des 47-Jährigen, dem es rasend schnell gelang einen Stimmungswechsel herbeizuführen und die Mannschaft zurück in die Spur zu führen, legten die Volleyball-Frauen eine beeindruckende Serie von sieben Siegen in acht Spielen hin.

Gemessen an dem völlig verpatzten Saisonstart und den schwachen Leistungen auch gegen vermeintlich leichtere Gegner eine beeindruckende Leistung. Von Soosten möchte es zwar unbedingt vermeiden, Kritik an Ex-Coach Staelens zu üben, doch die Veränderungen im Spiel des VTA sind für den Beobachter offensichtlich.

Als besonders große "Baustelle" präsentierte sich im ersten Saisonabschnitt die Annahme, die viele Punkte kostete. Unteranderem hier hat der Interimstrainer in der täglichen Arbeit angesetzt: "Ich wollte erreichen, dass wir auch bei schwachen Annahmen mutig und aggressiv sind und immer eine Bedrohung für den Gegner darstellen", erklärt er. Eine These die von der Statistik gestützt wird.

Im letzten Auswärts-Erfolg beim VC Wiesbaden gelangen den "Kupfer-Ladies" 65 Prozent gute Annahmen, dem Gegner 61 Prozent. Und trotzdem ging der VT Aurubis mit 3:0 als klarer Sieger vom Feld. Neben dem Angriffsspiel verbesserte von Soosten aber auch die Defensive, die sich häufig wacklig und unsicher präsentierte.

Hierfür griff der Coach in die "Psycho-Trickkiste" a´ la Christoph Daum. Im Training mussten seine Spielerinnen nach hinten umfallen. Anschließend zeigte er ihnen ein Bild mit einer jagenden Raubkatz. Die Message hinter der Maßnahme: Jagende Raubkatzen fallen nicht um, sondern holen sich ihre Beute. Ein Kniff der funktionierte und dem Team neues Selbstbewusstsein und Vertrauen einhauchte, dass sieht auch Präsident Horst Lüders so: "Seit dem Trainerwechsel existiert eine ganz andere Stimmung. Helmut von Soosten hat an den richtigen Stellschrauben gedreht. Wir sind natürlich froh, dass der Plan so gut aufgegangen ist und wollen nun unbedingt Platz sechs halten."

Der Trainer, bekanntermaßen ja nur als Interimslösung bis Saisonende vorgesehen, hat inzwischen "Blut geleckt" und an dem Job, den er früher jahrelang ausübte ehe er beim VTA in den Management-Bereich wechselte, großen Gefallen gefunden. Mit dem sportlichen Höhenflug inklusive Siegesserie hat von Soosten jedenfalls die besten Argumente für eine Weiterbeschäftigung über den Sommer hinaus.

Und auch der Verein kann sich eine längerfristige Zusammenarbeit vorstellen. Wie Harburg-aktuell.de erfuhr, laufen die Gespräche hinter den Kulissen auf Hochtouren. Lüders dazu: "Wir sind in Gesprächen und suchen intensiv nach einem Coach. Helmut von Soosten ist eine Option". Mehr gibt es dazu nicht zu hören vom Präsidenten, der sich noch bedeckt halten möchte.

Auch der Trainer hat nach eigener Aussage sein Interesse an einer Fortführung der Zusammenarbeit hinterlegt. Er meint: "Die Aufgabe macht mir sehr viel Spaß und ich würde das natürlich gerne weitermachen. Aber das muss man abwarten." Alles andere als eine Berufung zur Dauerlösung wäre aber wohl eine Überraschung, auch weil der Verein mittlerweile einen Zeitplan entwickelt hat.So soll laut Lüders in spätestens zwei Wochen Klarheit in der Trainer-Personalie herrschen, zumal dann die Planungen für die neue Saison anstehen. Und die werden zum Drahtseilakt für den ganzen Klub, weil der Hauptsponsor und Kupfer-Riese Aurubis AG sein finanzielles Engagement ab der Spielzeit 2013/2014 um ein Drittel kürzen wird.

Der Etat dürfte dann um rund 300.000 Euro auf eine halbe Million Euro sinken, dazu laufen alle Verträge aus. Die Frage wird sein, ob man internationale und damit teure Spielerinnen wird halten können. "Das Ziel muss es sein, die Spielerinnen von einem weiteren Engagement bei uns zu begeistern", gibt von Soosten die Marschroute vor. Sollte das aber misslingen und Stammspielerinnen dem Verein ab Sommer den Rücken kehren, droht ein radikaler Umbruch, dass weiß auch von Soosten. "Natürlich kann das passieren, aber wir werden Konzepte entwickeln, um das Team zusammenzuhalten. Dennoch schwebt ein Schwert über uns, dass jederzeit runter fallen kann."

Ungeachtet der offenen Zukunft, möchte von Soosten nicht zu viel über Vertragsgespräche und Planungen reden. Im Fokus soll das Sportliche stehen und da könnte die Mannschaft historisches erreichen. Nach dem Sieg gegen Hapoel KFAR-SABA steht der VTA im Viertelfinale des Challenge Cups. Am Mittwoch kommt C.M.S Bucuresti in die CU-Arena (20:00 Uhr). Sollte das Team tatsächlich das Halbfinalfinal-Ticket im Rückspiel am 13:02. lösen würde der Klub in die Geschichtsbücher eingehen. Noch nie standen Hamburger Volleyball-Frauen in einem Halbfinale eines europäischen Turniers. "Wir wollen das unbedingt schaffen, dass wäre ein Traum", so von Soosten.

Sollte es ihm tatsächlich gelingen, dürfte es der sportlichen Leitung schwer fallen, einen anderen Trainer ab Sommer zu beschäftigen als Helmut von Soosten. Dann würde er vom Feuerwehrmann zur Dauerlösung... (pw)