121226weihnachtscross Heimfeld- Die Fotografen hatten sich bereits in der Start/Ziel-Linie positioniert um das spektakuläre Siegerfoto zu schießen. Doch die Kameras klickten nur kurz, statt einem ausgelassenen Jubelschrei und puren Emotionen ballte Jannick Geisler die Hand

nur für einen kurzen Moment zu einer Faust. "Ich war zu kaputt, um zu posen", begründet Geisler später im Gespräch seine verhaltene Freude. Bei der 25. Auflage des traditionellen Weihnachtscrossrennens in der Harburger Haake hatte der Lokalmatador mit Platz eins so eben einen glanzvollen wie souveränen Sieg eingefahren und die Super-Serie von Johannes Sickmüller, der zuvor vier mal hintereinander bei dem Rennen triumphierte und schon fast unbesiegbar schien, durchbrochen. In den letzten Jahren dominierte der aus Leimen stammende Sickmüller die Rennen, diesmal aber reichte es nur für den 6. Rang. Vor ihm fuhren Enno Quast, Jan Büchmann, Julian Lehmann und eben jener Geisler über die Ziellinie.

Für Geisler geht mit dem Sieg ein kleiner Traum in  Erfüllung, schließlich ist der Weihnachtscross für ihn immer ein Heimspiel. Der 20-Jährige kommt aus Harburg, studiert an der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) und kennt die 2,5 Kilometer lange Strecke wie seine eigene Westentasche. Immer wieder wurde er als Favorit auf den Sieg gehandelt, doch der große Wurf wollte ihm nicht gelingen. Vor zwei Jahren musste er aufgrund einer hartnäckigen Erkältung am Renntag absagen, im letzten Jahr fehlte der letzte "Punch". Genau der war jetzt da. Sein Trainer Frank Plambeck sagte nach dem Erfolg: "Ich war mir sicher, dass Jannick gewinnen würde, weil er einfach in einer richtig guten Verfassung ist. Er ist führender der Stevens Cup-Serie und dank seiner Dynamik und Kraft unglaublich stark im Cross." Sein Schützling fuhr sich einen bemerkenswerten Vorsprung von über einer halben Minute heraus, erst in den letzten zwei Runden konnte Julian Lehmann im Trikot der Harburger Radsport-Gemeinschaft (HRG) noch mal rankommen. Doch der Entschlossenheit von Geisler hatte an diesem Tag keiner etwas entgegenzusetzten.

Auch wenn er sich natürlich über die so lang herbeigesehnte Gold-Medaille in seinem "Wohnzimmer" freut, will er den Erfolg nicht überbewerten: "Ich bin sehr stolz und glücklich - na klar. Aber man muss auch sehen, dass Johannes lange verletzt war und nicht trainieren konnte." Damit spielt er auf den Schlüsselbeinbruch seines Konkurrenten Sickmüllers an, den er sich erst im September  zugezogen hatte und der ihn im Training weit zurückwarf. "Natürlich hätte ich gerne gewonnen, aber es war wirklich schwer. Mir fehlt einfach nach der Verletzungspause noch die Kondition und Fitness um ganz vorne mitzufahren. Das spiegelt sich sicher auch im Ergebnis wieder", so Sickmüller. Trotz seiner Niederlage gratulierte er dem Sieger brav:"Jannick hat ein starkes Rennen gefahren und verdient gewonnen."

Für Geisler wie für Sickmüller stehen mit dem Deutschland-Cup in Vechta (30.12) und der Deutsche Meisterschaft in Bad Salzdetfurth (12.1.) zwei ganz wichtige Wettkämpfe kurz bevor. Geisler formuliert nach der gelungenen Generalprobe seine Ziele offensiv: "Ich bin einfach gut drauf und deswegen rechne ich mir bei der Deutschen Meisterschaft auf jeden Fall eine Medaille aus." Dann allerdings wird er sich nicht mehr in dem leuchtend grünen Trikot des bayrischen Rennstalls Heizomat auf den Sattel schwingen. Denn sein Zwei-Jahres-Kontrakt wurde nicht verlängert, weil er sich beim auf Straßen-Rennen spezialisierten Renn-Team nicht durchsetzen konnte. Ab dem 1. Januar fährt er offiziell für das MLP-Team, dass in Sinsheim ansässig ist und in der Radsport-Bundesliga mitfährt. "Dort hat er gute Möglichkeiten und wird weiter gefördert", so sein Trainer Plambeck. (pw)

 

Hier ein paar Bilder vom Weihnachtscrossrennen in der Harburger Haake:

 

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