120827richter Neugraben- Der FC Süderelbe hat einen klasse Saisonstart in der Landesliga Hansa hingelegt, nach vier Spieltagen belegt der Traditionsverein den dritten Tabellenplatz. Satte neun Punkte hat der FCS gesammelt, erst am

Sonntag beim Oberliga-Absteiger Vorwärts Wacker Billstedt 04 setzte es die erste Niederlage (1:2). Und dennoch reiben sich viele Experten ob des furiosen Saison-Auftakts etwas verwundert die Augen, vor allem die Art und Weise, wie der FC Süderelbe die Punkte bisher eingefahren hat, ist bemerkenswert.

Exemplarisch für den guten Start ist der 4:1 Sieg am dritten Spieltag zuhause gegen den FC Türkiye, als die Elf von Coach Jean-Pierre Richter die Zuschauer mit tollem Kombinationsfußball und schönen Toren begeisterte. Doch so ganz überraschend kommt der Erfolg dann doch nicht daher, dass wird deutlich, wenn man die Kaderplanung der sportlich Verantwortlichen betrachtet.

Vor der Saison verloren die "Blauen" in Sebastian Jobmann und Eugen Götz, die beide zum Rivalen FTSV Altenwerder wechselten, lediglich zwei Spieler, die ohnehin keine große Perspektive mehr hatten. Der Kern der Mannschaft konnte somit zusammengehalten werden, darüberhinaus bereitete der Klub früh gezielte Verstärkungen vor. So wurde mit Anton Lasko (Oststeinbeker SV), David Yündem (Concoridia), Dennis Lohmann und Markus Walek (beide FTSV Altenwerder)  frisches Personal mit viel Potenzial verpflichtet.

Dazu kam noch David Albayrak vom FC Sylt, der in seiner Profilaufbahn unteranderem für Werder Bremen und Arminia Bielefeld auflief und dem jungen Team schon jetzt dank seiner Erfahrung Stabilität und Konstanz verleiht. Die Integration der Neuzugänge gelang zügig, auch ein Grund, warum der FCS schon so früh in Hochform ist. "Ich konnte auf eine eingespielte Truppe zurückgreifen, die wir sinnvoll und vorallem qualitativ verstärkt haben", sagt Richter. Eine junge Truppe, die aber richtig Spaß macht. "Für mich ist es nicht wichtig, ob einer 35 oder 18 Jahre alt ist, entscheidend sind die fußballerischen Fähigkeiten. Und da sind wir auf einem guten Level."

Möchte man den aktuellen Erfolg aber wirklich verstehen, muss man zwei Jahre zurückblicken, als der Landesligist eine Umbruchphase einläutete. Die Vereinsoffiziellen entwickelten, als es in der Liga lange Zeit schlecht lief, ein neues Konzept. Richter: "Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht und auf die Jugend gesetzt. Das ist intensive Arbeit, die jetzt rund zwei Jahre später Früchte trägt."

Der mit 25 Jahren noch extrem junge Trainer baute sukzessive eine schlagkräftige Mannschaft auf, die bereits im letzten Jahr 50 Punkte holte und am Ende auf dem achten Tabellenplatz einlief. Nun, nach dem guten Saison-Auftakt, der im Umfeld so etwas wie Euphorie entfachte, fragen sich alle: Was ist dieses Jahr möglich? "Die Jungs identifizieren sich großartig mit dem FC Süderelbe und sind absolut lernwillig. Aber in der Landesliga gibt es starke Konkurrenz, wir möchten dieses Jahr in die Top fünf. Das wäre ein toller Erfolg."

Der Übungsleiter ist sich bewusst, dass die wirklich schweren Aufgaben noch bevorstehen. Mit dem Rahlstedter SC und Dassendorf warten nun hintereinander jeweils Gegner, die in der Liga hohe Ansprüche anmelden und ebenfalls eine gute Platzierung anpeilen. "Deswegen muss man einfach abwarten und schauen, wie wir uns gegen diese Mannschaften schlagen, so Richter."

Für den Coach persönlich, der im Umfeld einfach liebvoll "Jonny" gerufen wird, ist der aktuelle Erfolg der Höhepunkt seiner noch jungen Trainer-Karierre. Er selbst hat einen beachtlichen Weg eingeschlagen, seit er die erste Mannschaft übernommen hat. Nachdem er zwischen 2006 und 2009 die Jugendmannschaft von Finkenwerder von der C-Bezirksliga in die B-Verbandsliga führte, wechselte er zum FC Süderelbe, wo er eigentlich als Jugendtrainer arbeiten sollte. Als kurz vor Beginn der Spielzeit 2010/2011 dann aber der Liga-Coach Lothar Dittmer überraschend entlassen wurde, brauchten die Bosse plötzlich einen neuen Trainer -  und wurden in Richter schließlich fündig. Das Profil: jung, ehrgeizig und emotional bei der Sache. Der damals 23-Jährige hauchte der Vereinsphilosophie Leben ein und schenkte den jungen Spielern sein Vertrauen. Und die zahlen es nun mit guten Leistungen zurück.

Vergleiche mit BVB-Coach Jürgen Klopp, der in Dortmund ebenfalls auf junge, hungrige Spieler baut und konsequent seine Linie verfolgt, schmeicheln ihm natürlich. "Er ist eine Persönlichkeit, die für mich schon ein Vorbild ist. Allerdings weiß ich solche Vergleiche auch richtig einzuordnen, weil Borussia Dortmund und Klopp nochmal eine ganz andere Dimension darstellen." Bei allem Lob, mit dem der Verein und Richter aktuell zugeschüttet werden, hat sich der Coach das Ziel gesetzt, "mit den Jungs einfach konzentriert und akribisch weiterzuarbeiten wie bisher."

Hier klingt der "Jonny" vom FCS genau wie der "Kloppo" vom BVB.  (pw)