120617gildeHeimfeld- Einmal so sein wie Deutschlands ehemalige Biathlon-Königin Magdalena Neuner. Geht nicht? Geht wohl! Am Sonntagvormittag konnten sich Kinder und Jugendliche am Schwarzenberg im Sommerbiathlon

probieren. Möglich machten das die Schützengilde Harburg und der Schützenverband Hamburg, die sich die High-Tech-Anlage von den Vereinen Nordheide Elbmarsch, Wendisch Evern sowie Behrendorf liehen.

Für die Teilnehmer wurde je nach Altersklasse eine Strecke zwischen 200 und 1000 Metern rund um den Schwarzenberg abgesteckt, nach jeder Runde musste im Liegen geschossen werden. Allerdings nicht mit Munition, zum Einsatz kamen moderne Lichtpunktgewehre. Diese sind mit einem einfachen Laser ausgestattet, der von einem Sensor an der Zielscheibe empfangen wird. Trifft der Schütze das Ziel, erscheint in der Fläche ein hellgrüner Punkt.

Der Vorteil: Lichtpunktgewehre unterliegen im Gegensatz zu Luftgewehren keiner Altersbegrenzung. Und die Kids hatten nicht nur ihren Spaß, viele bewiesen Geschick und schossen in bester Neuner-Manier.

Dr. Eckhard Mißfeld, Mitglied der Harburger Gilde und Vizepräsident des Schützenverbandes Hamburg, zeigte sich von den Fähigkeiten beeindruckt. "Da sieht man, dass viele Kinder ein gutes Gefühl haben." Die Schwierigkeit beim Biathlon besteht in der anspruchsvollen Kombination aus Laufen und Schießen. "Beim Laufen wird der Körper durch die physische Anstrengung gefordert, während beim Schießen eine ruhige Hand und Konzentration gefordert ist. Wenn man dann zum Schießen kommt, muss man den Puls herunterfahren. Diese Kombination macht den Reiz dieser Sportart aus", so Mißfeld.

 

Wie schwer der Rythmuswechsel zwischen den Disziplinen zu meistern ist, hat auch Marcel erfahren müssen. Der 12-Jährige ist Leichtathlet beim Harburger Turnerbund (HTB) und Mitglied im Schützenverein in Eißendorf. Obwohl er eine Strafzeit von 75 Sekunden bekam, weil er mehrmals die Zielscheibe verfehlte, durchquerte er als erster die Ziellinie. "Wenn ich nicht so schnell gelaufen wäre, hätte ich das niemals geschafft. Es ist unglaublich schwer, konzentriert zu schießen", berichtet er. Zweiter wurde Eike Schulze vom Heimfelder Schützenverein.

Für Hamburgs Süden war der Sommerbiathlon auf dem Schwarzenberg eine Premiere, denn bisher verfügt kein Schützenverein über eine entsprechende Anlage. Mißfeld aber hat das Event auch als Pilot-Projekt betrachtet, um zu testen, wie das Schießen 2.0 bei der jüngeren Generation ankommt. Viele Schützenvereine beklagen sich seit Jahren über mangelnden Nachwuchs. Dieser könnte aber mit der modernen Technik angelockt werden. Mißfeld, der vor zwei Jahren Vize-Meister im Liegendschießen wurde, liegt die Nachwuchsförderung ganz besonders am Herzen. Er hat den Plan, den Sommerbiathlon fest in Harburg zu etablieren. Dazu sagt er:  "Wir werden die Gespräche mit den umliegenden Sportvereinen suchen, um zu prüfen, ob Interesse an einer Kooperation besteht. Man könnte Sommerbiathlon als feste Sportart anbieten."

Welches Potenzial hinter dem Biathlon ohne Skier und scharfer Munition steckt, zeigt der Zulauf, den die Sportvereine im Landkreis zu verzeichnen haben. Dort ist ein regelrechter Hype um die moderne Sportart ausgebrochen. Vielleicht erreicht dieser ja auch bald Harburg. (pw)