110810fcsvseste Neugraben- Um 14:17 schlenderte Süderelbe-Trainer Jean-Pierre Richter mit rotem Kopf und dickem Hals in die Kabine. Knapp eine Stunde später glätteten sich die Sorgenfalten und aus dem Ärger wurde Feierlaune. Das sich der Gemütszustand

des jungen Coaches innerhalb so kurzer Zeit um 180 Grad wandelte, dafür war sein Team im Derby gegen Este 06/70 verantwortlich. Einer unterirdisch schwachen ersten Halbzeit ließen die Blauen ein munteres Scheibenschießen im zweiten Durchgang folgen, was sich schließlich im 5:1 Endstand manifestierte.

Die erste Halbzeit gehörte allerdings klar Este, die mutiger und zielgerichteter agierten und damit Süderelbe offensichtlich überraschten. Die Gastgeber vertendelten im Aufbauspiel fahrlässig die Bälle und verloren zu viele Zweikämpfe. Das Tor für Este in der 11. Minute war die logische Konsequenz für die verschlafene Anfangsphase. Einen Distanzschuss konnte FCS-Keeper Marc Wendt nur abprallen lassen, Tim Reddersen schaltete als erster und "netzte" zum 1:0 ein. Mit der Führung im Rücken wirkten die Gäste noch selbstbewusster, ganz anders als das Team von Richter, bei dem sich die Mängelliste im Notizblock von Minute zu Minute erweiterte. Erst nach 37. Minuten gab es durch einen Kopfball von Tobias Rüpke die erste Mini-Chance zu verzeichnen.

In der Halbzeit wurde es dann in der Kabine des FCS richtig laut, Richter sagt: "In der Halbzeitpause musste ich zwölf Minuten einen Monolog in einer lauten Art und Weise führen. Das war eine lange und intensive Ansprache." Und die sollte ihre Wirkung nicht verfehlen, bereits vierzig Sekunden nach Wiederanpfiff konnte Gerrit Siegismund Este-Keeper Koray Candan mit einem technischen Leckerbissen überwinden und in den verwaisten Kasten einschieben. Dieser Ausgleich sollte sich als "Brustlöser" erweisen, in der Folgezeit übernahm der FCS das Kommando am Sportplatz Kießbarg.

Daniel Rossa eröffnete dann mit seinem Treffer zum 2:1 den Torreigen seiner Mannschaft, Este konnte sich der Offensiv-Power nicht mehr erwehren. Das 3:1 in der 65. Minute durch Lennard Dobravsky bedeutete die Entscheidung. Die Tore zum 4:1 und 5:1 erzielte Mümin Musz. "Vielleicht brauchte die Mannschaft die Kabinenansprache von mir, um ein wenig angestachelt und provoziert zu werden. In der zweiten Halbzeit haben wir dann eine ganz andere Leistung meiner Mannschaft gesehen."

Einzig genervt zeigte sich Richter, weil Ömer Taskin und Gerrit Siegismund durch unnötige Fouls mit gelb-rot vom Platz geschickt wurden. Ein Umstand der den Coach in Alarmbereitschaft versetzt, weil sein Team nicht zum ersten Mal eine Partie in Unterzahl beenden musste. Dazu sagt er: "Wir haben gesagt, wir wollen die Platzverweise vermeiden, weil diese dann letzendlich auch Spiele entscheiden. Das ist ein Problem, dass wissen wir und daran arbeiten wir auch."

Für Süderelbe war der "Dreier" wichtig, um den Mittelfeld-Platz der Landesliga-Hansa zu behaupten. "Wir sind jetzt mit 16 Punkten auf Tabellenplatz 6. Der Sieg war gut, damit wir von der unteren Region Abstand gewinnen. Das lockert den Kopf."

Nächste Woche beim SC Concordia erwartet er zwei starke Halbzeiten, um nicht wieder nach 45 Minuten mit rotem Kopf und dickem Hals in Richtung Kabine schlendern zu müssen. (pw)