110903seeler Neugraben - Was für ein Fest am Kießbarg. Zum Liga-Heimspiel des FC Süderelbe gegen die TuS Dassendorf wurde am Samstagmittag die umgebaute Sportanlage mit Kunstrasenplatz feierlich eingeweiht. Und für den ersten Anstoß auf dem neuen Grün sorgte kein geringerer als HSV-Legende Uwe Seeler.

Der Torjäger und Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft war der gefragteste Mann am Nachmittag. Im neuen Klubheim bildete sich eine lange Schlange, um die Ikone drängelten sich aufgeregte Autogrammjäger. Hier ein Foto und dort eine Unterschrift- "Uns Uwe" hatte alle Hände voll zu tun.

Da paralell das Spiel des FC Süderelbe gegen Dassendorf lief, stöhnte Uwe mit einem herzhaften Lächeln auf dem Lippen: "Ich komme ja gar nicht dazu, mir die Partie anzuschauen." Machte auch nichts, denn Nein sagen kann der Stürmer, der für den HSV von 1953 bis 1972 insgesamt 404 Tore schoss, bis heute nicht.

Die Vereinsoberen des Neugrabener Traditionsklubs freuten sich über Seelers Besuch, der neben dem bunten Rahmenprogramm mit Bierzelt, Tombola und Torwandschießen, das Publikum magnetisch anzog. Manfred Struwe stellte als erster Vorsitzender des FCS den Kontakt zu Seeler her. "Manni hat ja ein großes Umzugsunternehmen und organisiert immer die Umzüge für den Hamburger SV. Ganz egal ob das kleine oder große Aufträge sind- Manni ist immer da," so Seeler. Zuletzt organisierte Struwe den Umzug von Ex-Star Ruud van Nistelrooy, der vom HSV zum spanischen Klub C.F. Malaga, wechselte. Neben der beruflichen Schiene verbindet die beiden eine persönliche Freundschaft: Seelers Nichte Saskia ist die Patentante von Struwes Sohn Gerrit.

"Und für eine Einweihung kommt Uwe doch gerne", so Struwe. Die neue Sportanlage am Kießbarg, die für insgeamt 500.000 Euro renoviert wurde, lobte der Experte: "Für kleine Amateurvereine ist das schon eine feine Sache." Zwar outete er sich als "Fan des Naturrasens", allerdings "ist der Kunstrasen für die breite Masse allein schon wegen der guten Bespielbarkeit im Winter und der geringen Pflegebedürftigkeit ideal."

Erst als "Uns Uwe" von seiner Ehefrau Ilka abgeholt wurde, richtete sich der Fokus der Fans wieder auf das Fußballspiel. Dort stand es schon nach zwölf Minuten 1:0 für die Gäste aus Dassendorf, der bärenstarke Ismail Polat sorgte für die Führung. Die Akteure des FC Süderelbe wirkten in der Folge verunsichert, was sich in einigen Abspielfehlern dokumentierte. Dennis Juhl nutzte die Wackler eiskalt aus und stellte in der 33. Minute auf 2:0. Sichtlich angesäuert von der ersten Halbzeit schlenderten die Spieler in die Kabine. Doch der nächste Nackenschlag ließ bei den Backofen-Temperaturen um 25 Grad Celsius nicht lange auf sich warten. Fünf Minuten nach Wiederanpfiff musste der Keeper Sebastian Jobmann ein drittes mal hinter sich greifen, wieder hatte Polat getroffen. Trotz der großen Vereinsfeier kannte die TuS keine Gnade- das 4:0 fiel nach einer Ecke. Doch trotz der heftigen Gegentorflut rappelte sich Süderelbe noch mal auf und konnte per Foulelfmeter, getreten durch Arsen Illiev, etwas Ergebniskosmetik betreiben.

Die letzte Viertelstunde brachte das Team von Richter noch mal Tempo in die Begegnung und hatte zahlreiche Chancen. Allerdings scheiterten Tobias Rüpke, Lennart Dabravsky und Mümin Mus allesamt am 20-Jährigen Schlussmann der TuS, Nico Fabian. Immer wieder hechtete der 20-Jährige durch den Strafraum und kratzte in bester Hexer-Manier die Bälle aus den Torwinkeln. Negativer Höhepunkt: Süderelbe-Torwart Sebastian Jobmann holte sich kurz vor Schluss noch die rote Karte ab, weil er den Schiedsrichter beleidigte. Am Ende stand dann eine 1:4 Niederlage.

Richter hätte mit seiner Mannschaft die Einweihung des neuen Vereins-Schmuckstücks natürlich gerne mit einem Sieg vergoldet und ärgerte sich nach Abpfiff: "Scheinbar haben wir mit sportlichen Großereignissen ein Problem. Beim Derby gegen den FTSV Altenwerder (0:1, d. Red.) war der Druck schon ziemlich groß und jetzt bei so einem Highlight mit Uwe Seeler und 450 Zuschauern war die Nervosität dann noch mal größer". Als Hauptproblem machte Richter die mangelnde Effizienz vor dem Tor, "so viele Chancen hatten wir die ganze Saison noch nicht" und die schwache defensive Ordnung aus. "Außerdem spielen wir nach vorne nicht den einfachen und direkten Ball- daran müssen wir in den nächsten Einheiten arbeiten", so Richter schonunglos in der Analyse.

Auch wenn sich der junge Coach im Spiel mehrmals über diskutable Entscheidungen beim Unparteiischen beschwerte, suchte er die Schuldigen in den eigenen Reihen: "Der Schiri hat auch keine einfache Partie und grundsätzlich sollten wir davon abrücken, die Schuld beim Schiedsrichter zu suchen. Die Tore kann er für uns auch nicht machen und wir hatten Möglichkeiten genug." Als eiskalter Torjäger hat sich seinerseits Uwe Seeler in die Herzen der HSV-Fans gespielt. Ein Typ diesen Kalibers hätte dem FCS gut getan. Richter mit einem Augenzwinkern: "Ich habe ihm vor Anpfiff noch angeboten, dass er ein Trikot bekommt. Aber er meinte, dass es nach seinem Autounfall noch nicht langt. Mit seiner Kaltschnäuzigkeit hätter uns bestimmt noch mal helfen können."

Ohne die Unterstützung von "Uns Uwe" muss die Mannschaft nächste Woche zum Oberliga-Absteiger und aktuellen Tabellenführer der Hansa-Staffel Barmbek-Uhlenhorst (BU) reisen. "Dort wollen wir die Kurve kriegen und Punkte einfahren." (pw)

 

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