131204FussHarburg –  Der größte Gegner der Harburger SPD ist zurzeit die Harburger SPD. Sie hat mit 26 Abgeordneten in der Bezirksversammlung zwar gerade eben

die absolute Mehrheit. Das hat die Partei aber nicht diszipliniert, stattdessen tobt – bisher noch relativ geräuschlos – ein erbitterter Machtkampf.

Dabei geht es nicht um Inhalte, in der Harburger SPD ringt nicht der rechte mit dem linken Flügel. Es geht tatsächlich nur um die Macht. Wer hat künftig das Sagen? Wer sitzt an den entscheidenden Stellen, wo Posten und Pöstchen vergeben werden?

Wer vor vier Jahren die richtigen Leute gefragt hatte, wer denn eines Tages Nachfolger des Dauer-Bundestagsabgeordneten Hans-Ulrich Klose werden könnte, hörte immer wieder den Namen von Metin Hakverdi aus Wilhelmsburg.

Hakverdi war damals in Harburg noch ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Eigentlich galt es als ausgemacht, dass sich der Kreisvorsitzende und stellvertretende Landesvorsitzende Frank Richter als Direktkandidat für den Bundestag bewirbt – kein Charismatiker, aber inhaltlich stark. Ein ruhiger respektabler Parteiarbeiter. Hakverdi galt dagegen als Muster-Schwiegersohn, ansehnlich, ohne Kanten.

Dann tat Hakverdi tatsächlich gegen Richter an, gewann zwar nur knapp, aber vernaschte im Vorbeigehen  auch noch den verdienten Partei-B-Promi Ingo Egloff. Wie vom Harburger Bezirksabgeordneten Torsten Fuß (Foto) und vom Stehaufmännchen Michael Ulrich, Ex-Kreischef, Ex-Fraktionsachef, Ex-Bezirksamtsleiter und angeblich auch Ex-Mitglied der Anwaltskammer von langer Hand geplant!

In der CDU freuten sich schon einige, weil sie Hakverdi für den leichtesten Gegner im Kampf um das Direktmandat für Berlin hielten und sich gute Chancen für ihre Ex-Senatorin Herlind Gundelach ausrechneten. Da hatten nicht nur sie sich getäuscht. Hakverdi holte ein Traumergebnis. Wie immer bei geheimen Wahlen kann über die Ursachen nur spekuliert werden: Lag es an der „Kampa“? SPD-Fraktionsvize Muammer Kazanci  hatte einen Wahlkampf organisiert, bei dem man dem Kandidaten nicht aus dem Weg gehen konnte: Hakverdi war überall, an jedem Straßenbaum, bei Facebook und gefühlt auch mal an drei Orten gleichzeitig.

Zurzeit laufen in den SPD-Distrikten die Kandidatenaufstellungen in den acht Harburger Wahlkreisen. Bis auf wenige Ausnahmen ist die Aufregung noch gering, ein Thriller wird dagegen Ende Februar die Bezirksliste. Torsten Fuß, seit Jahren passionierter Drahtzieher und seit gut einem Jahr auch erklärter Gegner seines Kreisvorsitzenden Frank Richter, meint schon seit Wochen, alles im Griff zu haben: „Das läuft.“

Allerdings hat Fuß (Kalauer aus seinem Mund: „Nach mir sind schon zu Lebzeiten alle Wege in Harburg benannt.“) zurzeit ein kleines Problem. Gelegentlich vergreift er sich im Ton. „Da wird der väterliche Freund zum Miststück“, sagt ein Genosse. Diese Schwäche hat Fuß ein „PO“ eingebrockt. Und in dem Parteiordnungsverfahren ist auch schon ein Urteil gesprochen worden. Fuß darf für einige Zeit keine Parteiämter ausüben, also muss er auch den Vorsitz des Distrikts Harburg-Ost ruhen lassen.

Und dann wird auch noch gegen die Fuß-Truppen geschossen. Aus dem Hinterhalt, mit anonymen Mails, es sind einige unterwegs. Wer macht so etwas? Spekuliert wird heftig, Verdächtige gibt es mindestens zehn. Ganz nebenbei hat die Harburger SPD noch die Verantwortung für die rund 150.000 Bürgerinnen und Bürger des Bezirks. ag