130319OlafHarburg ­­– Ja, diesen Bürgermeister kann man schon gut finden. Olaf Scholz im Rieckhof: eine rundum überzeugende Vorstellung. Keine Sprüche, kein Getöse,

einfach klare sachliche Kommentare zur Weltlage, zur Bundespolitik, zum Alltag in Hamburg. „Der Erste“ ließ kein aktuelles Thema aus, die rund 150 Zuhörer in Harburgs Kulturzentrum Nummer eins lauschten andächtig, hier und da Beifall. Im Moment ist wirklich keiner in Sicht, der diesen Job ähnlich souverän erledigen könnte.

Nach dem Frontalunterricht zum Thema „Die SPD kann Hamburg“ folgte die Kür. Olaf Scholz beantwortet Fragen. Nicht für alles gibt es Antworten, aber dem Bürgermeister verschlägt es die Sprache auch nicht, wenn jemand den Zusammenhang zwischen den Goldreserven, die wieder nach Deutschland zurückgeholt werden sollen, dem Dax und dem Bruttosozialprodukt erklärt haben möchte.

Klar, dass sich auch die „üblichen Verdächtigen“ aus der Vogteistraße zu Wort 130319Olaf2meldeten. Olaf Scholz sollte nun kurz und knapp ein Problem lösen, für das es eineinhalb Stunden vorher im Verkehrsausschuss der Bezirksversammlung  ebenfalls keine Patentrezepte gegeben hatte. Er wies nur darauf, dass der Wunsch der Anwohner nach einem Durchfahrverbot für Lkw über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht schon „rein rechtlich“ nicht möglich sei. Erstaunlich: Die anderen „Verdächtigen“ aus der Bremer Straße oder der Wetternstraße suchten nicht das Gespräch mit Olaf Scholz. Ob sie mit solchen Veranstaltungen schlechte Erfahrungen gemacht haben?

Dass der Bürgermeister die Freunde des Rieckhofs nicht glücklich machen würde (auch wenn Scholz prophezeite, „den Rieckhof wird es auch in 30 Jahren noch geben“), war zu erwarten. Als ein Zuhörer fragte, warum der SPD-Senat den Rieckhof  „kaputtspart“, wurde Olaf Scholz energisch: „Mit seinen mehr als 600.000 Euro jährlich  ist der Rieckhof unter den Stadtteilzentren der größte Zuwendungsempfänger. Außerdem haben wir in den letzten Jahren erheblich in den Brandschutz investiert. Da kann man doch wirklich nicht von Kaputtsparen reden.“

Naja, das klang verdächtig nach Holger Stuhlmann, Dezernent im Bezirksamt Harburg, der seit einiger Zeit keine Gelegenheit auslässt, dem Rieckhof ans Bein zu pinkeln. Im Übrigen weiß in Harburg inzwischen jeder:  Von den gut 600.000 Euro muss gleich die Hälfte wieder ans Bezirksamt überwiesen werden, Miete für die Räumlichkeiten. Dass das Bezirksamt als Vermieter aber seit Jahrzehnten Investitionen in den Bandschutz versäumt hatte, wissen auch viele. So schnurrt der „größte Zuwendungsempfänger“ schnell zu einem durchschnittlichen zusammen.

Dass auch bei anderen Harburger Kultureinrichtungen das Geld knapp ist, machte Horst Voßberg von „De Nedderdütsche“ deutlich: „Unser Amateurtheater gibt es seit 30 Jahren, und wir haben nicht einmal 3000 Euro für neue Mikrofone.“ So viel Geld hatte Scholz aber auch nicht dabei, dass er an diesem Abend wenigstens ein kleines Wunder vollbringen konnte. Gewundert hätte es ja auch niemand. ag