120908GrueneHarburg - Erst ein Wendemanöver ließ die Feier zum 30. Geburtstag der  Harburger Grünen-Fraktion zu einem gelungenen Abend werden. Als die „Seute Deern“ am Veritaskai vor der KulturWerkstatt festmachte, stellte sich schnell

heraus, dass irgendetwas nicht passte. Da wo die Gangway war, gab es keine Lücke im neuen Geländer. Erst als das Seebäderschiff von Arne Weber einen 180-Grad-Turn machte, konnte die „Seute Deern“ von den Partygästen geentert werden.

Harburgs grüner Baudezernent Jörg Penner, bekanntermaßen kein Freund des „Dussel-Zauns“, grinste breit, wollte sich zu diesem Thema aber nicht mehr öffentlich äußern. Nur Ex-Bezirksamtschef Torsten Meinberg (CDU), jetzt Hamburgs „Millionärsmacher“ fand lobende Worte für die graue Metallbarriere: „Ist doch gut!“ Alles andere wäre ja auch eine Überraschung, schließlich hatte Meinberg ja ursprünglich die Montage des Geländers angeordnet.

Allein schon an der Gästeliste wurde an diesem Abend deutlich, dass die Grünen das Zeug zu einer Volkspartei haben (nur die Prozentzahlen bei den Wahlen spielen da noch nicht ganz mit). Wer erwartet hatte, dass sich hier die Grünen und ein paar Umweltschützer selbst feiern, konnte nur staunen: Unter anderem wurden Jochen Winand, Chef der Süderelbe AG und Vorsitzender des Wirtschaftsvereins für den Hamburger Süden, Melanie-Gitte Lansmann, Geschäftsführerin des channel hamburg, Harburgs Citymanager Matthias Heckmann, DGB-Vorsitzender Detlef Baade und Manfred Brandt vom Verein Mehr Demokratie gesichtet, aber auch Gerd Moje, Vorsitzender des Schützenvereins Eißendorf, Michael Pahlke, Vorsitzender der Harburger Marinekameradschaft, Sven Kleinschmidt von Grün-Weiss Harburg, Malerin Petra Hagedorn, Isabel Wiest von der BI Vogteistraße, Iwona Mazurkiewicz und Hannelore Gebhardt von der BI Wetternstraße sowie Harald Krüger, Geschäftsführer des DRK Harburg und Prof. Rainer-Maria Weiß, Chef des Helms-Museums.

Krüger warb um Spenden für das Harburger Hospiz, die Grünen hatten in ihrer Einladung auf Geburtstagsgeschenke verzichtet und gebeten, stattdessen das Hospiz zu unterstützen. Dafür hatte Fraktionsgeschäftsführerin Marion Göhring extra ein großes Spendenschwein aufgestellt.

Auch die politischen „Mitbewerber“ der Grünen waren zum Gratulieren und Feiern gekommen. Besonders stark vertreten war die CDU, bis vor eineinhalb Jahren noch Koalitionspartner – allen voran Kreischef Ralf-Dieter Fischer. Er war auffallend  häufig am exzellenten Buffet aus dem Channel-Restaurant „momento di“ unterwegs. Aber nicht, wie er betonte, um selbst so viel zu essen, sondern um seine Frau, die ehemalige Bürgerschaftsabgeordnete Lydia Fischer zu versorgen. Ihr Mann: „Mal hatte ich die Kartoffeln vergessen. Dann wollte sie auch noch Spinat.“ Fischers Stellvertreter, der Marmstorfer CDU-Chef Rainer Bliefernicht, sorgte beim Dessert für einen längeren Stau, weil er sich in mühevoller Kleinarbeit (fast) sämtliche Physalis aus dem Fruchtsalat herauspickte. Parteifreund und Vizepräsident der Bezirksversammlung Michael Hagedorn ging bei der Auswahl am Buffet wesentlich routinierter vor: Der Mann ist seit langem Vegetarier. Rolf Buhs, Ex-Vorsitzender des Stadtplanungsausschusses und geschätzter Partner der Grünen in Sachen Nachhaltigkeit, genoss dagegen still und leise.

Die aktuellen SPD-Granden glänzten indes mit Abwesenheit, waren aber wegen einer Klausurtagung entschuldigt. Immerhin waren die unermüdlichen Altvorderen Karin und Heiner Schultz dabei, kurz auch Hans-Ulrich Niels, umso länger dafür Harald Muras, langjähriger SPD-Kreisvorsitzender, bei dem Flügelkämpfe der Genossen weitgehend ein Fremdwort waren. Dafür verwickelte er die Gäste auf der „Seuten Deern“ immer wieder in spannende Gespräche über das aktuelle Kandidatenrennen der SPD für den Bundestag. „Das ist aber alles nicht zitierfähig“, betonte Muras immer wieder. „Noch nicht!“ Anders als die SPD waren FDP und Die Linke durch ihre aktuellen Fraktionschefs Carsten Schuster und Sabine Boeddighaus vertreten.

Klar, dass die Grünen selbst auch mit „großem Geschirr“ angetreten. Neben Ronald Preuß, Kay Wolkau, Heinke Ehlers, Jürgen Marek und Daniel Völkoi – also der kompletten Bezirksfraktion –  feierten auch die Landesvorsitzende Katharina Fegebank und der Harburger Bundesstagsabgeordnete Manuel Sarrazin samt seinem Büroleiter Michael W. Osterburg (hatte sogar seinen Hund "Lizzy" dabei) mit.

Tatsächlich war auch „die Umwelt“ da – neben Harald Köpke vom Bund für Umwelt und Naturschutz auch Malte Siegert vom Naturschutzbund. Für Siegert war es eine Premiere. Der frühere Leiter des Vogelschutzreservats Wallnau auf Fehmarn ist seit einer Woche Nabu-Referent für Großprojekte in Hamburg und machte an Bord erste Kontakte. Als zu später Stunde auch noch Barde Gunter Gabriel mit neuer Freundin im pinkfarbenen Cadillac vorfuhr, staunte Siegert, der privat eher in St. Georg unterwegs ist, nicht schlecht: „Das ist schon ein anderes Völkchen hier in Harburg. Aber sehr authentisch.“ mz