Marmstorf - Dr. Melanie Leonhard ist eine starke Frau. Klug, bodenständig und durchsetzungsfähig. Jetzt führt sie die Hamburger SPD.

Nach Traute Müller ist die Marmstorferin die zweite Frau an der Spitze der Hamburger SPD. Vorher war mit Helmuth Frahm nur ein weiterer Genosse aus dem Bezirk Harburg für den Landesvorsitz der Sozialdemokraten ausgewählt worden.

Die Karriere von Melanie Leonhard ist bemerkenswert. Die 40 Jahre alte Historikerin und Mutter war 199 in die SPD eingetreten. Sie war und ist keine laute Genossin. Und, das schätzen ihre Mitstreiter, sie wurde nie das, was man abgehoben nennt. Sie ist immer noch bei der Marmstorfer SPD aktiv, wo sie auch als Senatorin Beisitzerin im Vorstand war. Jetzt ist sie dort Kassenprüferin. Ein Amt, dass sie auch als Landeschefin weiter behalten wird. Abseits der politischen Bühne ist sie ein gern gesehener Gast bei Bällen im Privathotel Lindtner. Und auch das merkt man. Sie kommt nicht nur um zu repräsentieren oder um gesehen zu werden. Vor wenigen Wochen löste sie ein Versprechen ein und hielt für die Marinekameradschaft in der Fischhalle einen Vortrag. Auch das hätte wohl nicht jeder in ihrer Position getan. Salopper ausgedrückt: Der eine oder andere Senator hätte, was das Ansinnen eines Vortrags in diesem Rahmen angeht, die Marinekameradschaft nicht mit dem Hinter angeschaut.

Bei aller Freundlichkeit und Bescheidenheit. Melanie Leonhard ist eine Frau, die konsequent ihre Aufgabe angeht. Sie sei eine "knallharte Verhandlerin" und eine "die weiß, wie man sich durchsetzt", heißt es aus ihrem Umfeld. Sie wurde im Oktober 2015 Sozialsenatorin, der Hochzeit der Flüchtlingskrise mit allen Problemen, die das System an den Rand des Absturzes brachten. Als Schleudersitz wurde der Posten betrachtet. Bei ihr hat er nicht ausgelöst.

Als Landeschefin der SPD wird sie ihre "harte Seite" brauchen. Sie wird dafür Ssorgen müssen, dass die Partei funktioniert. Strukturell und als Einheit. Sie wird die vielen Richtungen und Interessen in der Hamburger SPD unter einen Hut bringen müssen. Sie wird auch die Richtung für die Wahlkämpfe vorgeben und sehen, dass Inhalte stimmen. Ihren "Beruf" Sozialsenatorin wird sie behalten. Damit verdient sie ihren Lebensunterhalt. Landeschefin der SPD zu sein, das ist ein zusätzliches Ehrenamt.

So ist es kein Wunder, dass auch Melanie Leonhard als Nachfolgerin von Olaf Scholz als Bürgermeisterin gehandelt wurde. Sie hat sich schon früh selbst aus dem Rennen gebracht. Mit dem Hinweis auf den Kindersitz in ihrem Wagen. Hamburgs Erste Bürgermeisterin zu sein. Das wäre mit einem anderen Leben verbunden. Mit Bewachung rund um die Uhr und deutlich mehr repräsentativen Aufgaben. Auch rund um die Uhr. Es zeigt aber auch: In letzter Konsequenz ist die politische Karriere für Melanien Leonhard nicht der Mittelpunkt des Universums. Der liegt eben doch in Marmstorf in ihren vier Wänden.

Eine gute Bürgermeisterin wäre sie geworden. Vermutlich auch, weil viele Hamburger sie und ihre Art einfach gemocht und geschätzt hätten. Sie wäre Hamburgs Erste Bürgermeisterin geworden. Bürgermeister hatte die Hansestadt schon viele. 197 waren es seit 1293, davon 14 in der Nachkriegszeit. Landeschefin der SPD. Das ist nicht das Ende der Geschichte. Melanie Leonhard ist mit 40 für die Politik-Liga, in der sie mittlerweile spielt, auch das: jung. zv