Harburg – In die Suche nach einem neuen Bezirksamtsleiter für Harburg ist endlich Bewegung gekommen. Die zuständige Finanzbehörde hat am Dienstag Kontakt

zur Bezirksversammlung aufgenommen und will jetzt die Stelle ausschreiben. Die Harburger SPD hatte zwar Gespräche mit einigen Kandidaten geführt, ein geeigneter war aber nicht dabei. Oder er wollte die B4-Stelle (Grundgehalt rund 8000 Euro) nicht.

„Wir haben in dieser Zeit mit einem duldsamen Entgegenkommen abgewartet“, sagte CDU-Kreischef Ralf-Dieter Fischer in der monatlichen Pressekonferenz seiner Fraktion. Er wolle nun aber eine „möglichst schnelle Lösung“. Und das habe auch einen Grund: „Das Bezirksamt braucht wieder eine klare Führung. Die Eigenmächtigkeiten aus den verschiedenen Dezernaten sind nicht länger hinzunehmen.“ Fischer betonte, dass er damit nicht nur das Baudezernat mit seinem „Lieblingsgegner“ Jörg Penner meint. Der amtierende Bezirksamtsleiter Dierk Trispel sei durchaus „ehrlich bemüht“, könne aber, wie er selbst gesagt habe, „nicht alles lesen“.

Eine  Ausschreibung für die Stelle des Harburger Bezirksamtsleiters hatte es zuletzt 2004 gegeben. Der damalige Bezirksamtsleiter Bernhard Hellriegel hatte wegen einer Krebserkrankung im April auf eine zweite Amtszeit verzichtet, eine Ausschreibung gab es allerdings erst einige Monate später, weil sich CDU und GAL in Ruhe auf einen Vertrag für die (nach Altona) zweite schwarz-grüne Koalition in einem Hamburger Bezirk einigen wollten. Bis Februar 2005 führte deshalb Gesundheitsdezernent Dr. Burckhardt Jaeschke das Bezirksamt kommissarisch.

Nach Ende der Ausschreibungsfrist Anfang Dezember 2004 lagen der Finanzbehörde rund 20 Bewerbungen vor, nach mehreren Findungsrunden blieben drei Kandidaten übrig: Jaeschke (von der SPD unterstützt), Rechtsanwalt Torsten Meinberg (CDU) und Hans Leggewie (parteilos) aus der brandenburgischen Staatskanzlei. Am Ende setzte die neue Koalition aus CDU und GAL ihren Kandidaten Meinberg durch – obwohl zwei Mitglieder der CDU-Fraktion  Meinberg nicht wählten.

Ende 2011 wurde Meinberg dann abgewählt. Die SPD hatte Thomas Völsch vorgeschlagen und setzte ihn mit absoluter Mehrheit in der Bezirksversammlung auch durch. Eine Ausschreibung hatte es zuvor nicht gegeben. SPD-Kreischef Frank Richter heute: „Die große Wertschätzung, die Thomas Völsch entgegengebracht worden ist, zeigt, dass bei dem Vorschlag für dieses Amt die Qualität eines Bewerbers oder einer Bewerberin entscheidend ist und nicht die Frage, ob der Vorschlag aus einer Ausschreibung hervorgegangen ist.“ Kurz nachdem ihm die Bezirksversammlung mit großer Mehrheit für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt hatte, war Völsch Ende 2017 gestorben. ag