Harburg – Spätestens am 30. Januar muss die Harburger GroKo Farbe bekennen und erklären, wie sie die Nachfolge von Thomas Völsch regeln will. Die FDP hat

nämlich einen Antrag für die nächste Sitzung der Bezirksversammlung eingereicht, in der sie eine öffentliche Ausschreibung für die Stelle des Bezirksamtsleiters fordert. Nach dem Tod von Völsch Ende November hatte sich SPD-Kreischef Frank Richter nur einmal kurz öffentlich geäußert. Seine Partei wolle „zwischen Weihnachten und Neujahr den weiteren Verlauf besprechen“.  Sobald man zu einem Ergebnis gekommen sei, werde dies zunächst intern und mit dem Koalitionspartner abgestimmt. Anschließend werde die Öffentlichkeit informiert.

Dieses Verfahren bestätigt Kritiker, die behaupten, alle wichtigen Entscheidungen würden intern zwischen SPD und CDU besprochen und die folgenden Abstimmungen in der Bezirksversammlung seien eine Farce. Die FDP-Abgeordneten Carsten Schuster  und Viktoria Pawlowski formulieren diese Kritik in ihrem Antrag nicht ganz so zugespitzt: „Thomas Völsch war über die Fraktionsgrenzen hinaus sehr geschätzt, in den Augen vieler Harburgerinnen und Harburger war er der Bürgermeister von Harburg.“ Deshalb sollte die Bezirksversammlung – und nicht nur SPD und CDU – den Anspruch haben, einen Kandidaten zu suchen, der dieses Erbe fortführt. Schuster: „Neben fundierten Kenntnissen der Verwaltung und der Fähigkeit Menschen zu führen, sollte ein Bezirksamtsleiter eine ganze Reihe weiterer Fähigkeiten besitzen wie ein hohes Maß an Empathie, Überparteilichkeit und konsensualem Handeln.“

Unterdessen scheint es inzwischen Gespräche zwischen SPD und CDU zu geben. CDU-Kreischef Ralf-Dieter Fischer: „Wir machen unserem Koalitionspartner dabei deutlich, was wir von einem neuen Bezirksamtsleiter erwarten – nämlich eine bessere Zusammenarbeit von Verwaltung und Bezirkspolitik.“ Und dass der neue Bezirksamtsleiter sich für Harburg stark mache und nicht die Hacken zusammenknalle, wenn die Fachbehörden Befehle erteilten.

Beim Neujahrsempfang des CDU-Ortsverbands Harburg-Mitte hatte die Bürgerschaftsabgeordnete und stellvertretende CDU-Landesvorsitzende Birgit Stöver ein weiteres Kriterium für die Personalentscheidung genannt: „Egal ob Mann oder Frau: Sie müssen Harburger sein.“ ag