Harburg – Sieben Jahre lang hat das Bezirksamt nach dem optimalen Standort für eine Fahrradstation am Harburger Bahnhof gesucht – und

auch beim letzten Gespräch mit der Bahn AG Ende November gab es keine Einigung. Doch jetzt – sozusagen fünf Minuten vor zwölf – hat sich der Hauptausschuss der Bezirksversammlung mit großer Mehrheit für eine Station an der Gabelung von Walter-Dudek-Brücke und Brücke Hannoversche Straße entschieden. Die AfD enthielt sich der Stimme, die Neuen Liberalen stimmten dagegen.

Zuvor hatte Verkehrsstaatsrat Andreas Rieckhof dem Bezirk die Pistole auf die Brust gesetzt. Tenor seines Briefes: Wenn ihr euch bis Jahresende nicht entscheidet, bekommt ihr erst einmal gar nichts mehr! Staatsräte drücken sich indes gewählter aus. Die entsprechende Passage im Rieckhof-Brief an den amtierenden Bezirksamtsleiter Dierk Trispel: „Mit Blick darauf, dass die Behörde für Umwelt und Energie, die für die Planung einer Fahrradstation zur Verfügung gestellten Klimaschutzmittel in Höhe von 400.000 Euro nur noch bis Ende des Jahreszusagen kann, bitte ich Sie, die Bezirksversammlung Harburg über den Sachstand zu informieren und eine Einigung in dieser Frage noch in diesem Jahr herbeizuführen.... Anderenfalls bliebe der Bahnhof Harburg zu meinem großen Bedauern im aktuellen, hamburgweiten Realisierungsprozess für Fahrradstationen an Fernbahnhöfen einstweilen unberücksichtigt.“

Zuvor hatte Rieckhof noch der Staatsrat noch einmal die Vorzüge dieses Standorts hervorgehoben, der sich „im Entwurf einer laufenden Machbarkeitsstudie“ sogar als Favorit herausgestellt habe. Die Station liege direkt an der geplanten Veloroute 11 und sei für „72 Prozent der potenziellen Kunden auf dem kürzesten Weg und ohne Konflikte mit Fußgängern“ erreichbar. Die S-Bahn sei nur 90 Meter entfernt, die Fernbahn maximal 280 Meter, außerdem gebe es an dieser Stelle Erweiterungsmöglichkeiten auf 1200 Stellplätze. Und: „Der Standort ermöglicht die städtebauliche Gestaltung einer Brache am Eingangstor zum Harburger Kerngebiet und unterstützt die Aufwertung der Seevepassage.“

Zur Erinnerung: Das Harburger Bauamt hatte immer Standorte favorisiert, die dichter an der Fernbahn liegen. Doch sie scheiterten alle am Veto der Bahn AG. Sie wollte keinen Quadratzentimeter ihrer Flächen aufgeben, sie lieber für andere, noch nicht benannte Nutzungen aufheben. Im Frühjahr hatte die Bezirksversammlung den jetzt beschlossenen Standort abgelehnt und Beaudezernent Jörg Penner aufgefordert, noch einmal mit der Bahn zu verhandeln. Das Ergebnis ist bekannt.

In der neuen Fahrradstation werden neben kostenpflichtigen Stellplätzen auch Leihfahrräder, Zubehör und ein Reparaturservice angeboten. ag