Harburg – Das Alkoholverbot auf dem Harburger Rathausplatz ist beschlossene Sache. SPD, CDU, AfD und Neue Liberale votierten für die Maßnahme. Vermutlich

ab Mitte Juli wird es gültig. Vorher hatten die Gegner erfolglos versucht vor allem die Abgeordneten der SPD „umzudrehen“. Ausgerechnet Barbara Lewy von den Neuen Liberalen war es, die in einer für Politiker völlig untypischen Rede das Problem auf den Punkt brachte und so die teilweise kuriosen Versuche von Grünen, FDP und Linken ins Leere laufen ließ.

„Seit zehn Jahren bin ich jetzt hier Abgeordnete“, sagte Lewi. „Und seit zehn Jahren bin ich mit diesem Thema befasst. Ich habe mich auch die ganze Zeit für eine andere Lösung eingesetzt. Ich war gegen das Alkoholverbot. Dafür gab es gute Gründe“, so Lewy. Deswegen falle es ihr nicht leicht ihm zuzustimmen. „Ich sehen zehn Jahre die Entwicklung.“ Gebessert habe es sich nicht. Für Frauen, so ihre Erfahrung, sei es besonders schlimm. „Man muss schon ein sehr dickes Fell haben“, so Lewy, wenn man auf diesem Platz verweile. „Ich wünsche mir einen Platz, der tatsächlich von allen genutzt wird. Auch von Kindern, Frauen und Familien“, so Lewy. „Es wird jetzt versucht das Problem anders zu lösen. Das ist ein Baustein“, sagte Lewy zum Alkoholverbot. Deshalb sei sie dafür. „Auch wenn es nicht schön ist.“

Am Ende ergriff Bezirksamtsleiter Thomas Völsch, der trotz seiner Krebserkrankung an der Sitzung teilnahm, zu diesem doch historsichen Thema in der letzten Bezirksversammlung vor der Sommerpause, das Wort. „Wir reden hier über den zentralen Platz Harburgs“, so Völsch. Mit der Trinkerszene auf dem Rathausplatz beschäftige er sich seit seinem Amtsantritt als Bezirksamtsleiter. Man habe bislang kein gutes Ergebnis erzielt. „So ehrlich sollte man sein“, so Völsch. Er machte auch klar, dass ein Alkoholverbot kein Königsweg sei. Man solle aber „sehr ruhig, sehr gelassen und sehr pragmatisch“ mit dem Thema umgehen. Es werde durch ein Alkoholverbot niemand ausgegrenzt. Es gehe darum Verhaltensweisen zu ändern. Die Abgeordneten sollten sich auch klar machen, dass sie dafür da sind, dass der öffentliche Raum nicht preisgegeben werde. Das gelte auch gegen Gruppen, „die den öffentlichen Raum okkupieren“. „Wir können die Augen nicht davor verschließen, dass es Menschen in unserer Stadt gibt, die sich mindestens zu bestimmten Tageszeiten nicht über den Rathausplatz trauen. Das dürfen wir nicht zulassen“, so Völsch. Die Zustände hätten das subjektive Sicherheitsgefühl vieler Menschen nachaltig beeinträchtigt. „Dem müssen wir uns stellen“, sagte Völsch. Das Alkoholverbot sei „ein Schritt“, für den er „gewissen Sympathien" habe. Er sei es wert, es "zumindest einmal zu versuchen“. Das werde aber nur gehen, wenn sich die handelnden Akteure einig seien.

Zuvor dürfte sich der eine oder andere Abgeordnete in der Bezirksversammlungwie in einer Märchenstunde gefühlt haben, als Britta Hermann (Grüne) in letzter Sekunden versuchte das Alkoholverbot auf dem Harburger Rathausplatz abzuwenden. In einem persönlichen Gespräch mit Trinkern, die auch an diesem Abend in großer Zahl die Bänke vor dem Rathaus belegten, hätten die sich gegenüber der Fraktionsvorsitzenden der Grünen entsetzt gezeigt. „Waas? Die SPD auch. Das gibt es doch nicht“, soll aus Trinkerkehlen erklungen sein, nachdem Hermann über die anstehende Abstimmung berichtete. Was sie von den Befürwortern des Alkoholverbots hielt, kann man getrost so deuten: Die sind einfach nur zu doof.  Natürlich hat sie das so nicht gesagt. Am Rednerpult klang das  so: „Sie haben eine Sichtweise auf die Dinge, die keine Allgemeingültigkeit hat“, die „Gesellschaftlichen Zusammenhänge und Verantwortlichkeiten“ seinen bei den Befürwortern des Verbots „noch nicht angekommen“ oder sie hätten „keine Lösung“. Hermann schon. Nach 23 Jahren erfolgloser Sozialarbeit auf dem Harburger Rathausplatz in Hinblick auf die Trinkerszene, die Jürgen Heimath (SPD) noch einmal in allen Schritten aufgeführt hatte, gebe es laut der Grünen-Fraktionsvorsitzenden noch „viel, viel mehr“. Es sein in Sachen weiterer Sozialarbeit noch „richtig Luft nach oben“. Die Abhandlung Carsten Schusters (FDP) über die Problematik des Aufspührens von Alkohol als Mixgetränk in Safttüten oder die Beschwörung des Klassenkampfs von André Lenthe (Linke), der noch mal „kapitalistische Verwertungslogik“ ins Spiel brachte, waren weitere Versuche einzelne SPD-Abgeordnete vor der namentlichen Abstimmung „umzudrehen“. Es hat nicht geklappt. zv