Harburg – Plötzlich war alles anders. Am 30. Dezember 2015 riss ein Schlaganfall Manfred Schulz aus seinem gewohnten Leben. Der protokollarisch

ranghöchste Politiker des Bezirks Harburgs leidet bis heute an den Folgen, erholt sich nur langsam. Seine Ämter als Vorsitzender der Bezirksversammlung und SPD-Bezirksabgeordnete kann er zurzeit kaum wahrnehmen. Deshalb hat der 68-jährige  vor gut einem Monat seinen Platz im Präsidium der Bezirksversammlung geräumt, jetzt hat er auch sein Mandat als Bezirksabgeordneter zurückgeben.

Zugleich hat auch seine Frau, die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Brigitta Schulz, ihr Mandat zurückgeben, sie wollen jetzt gemeinsam für die vollständige Genesung ihre Mannes kämpfen. Der Rückzug ins Private war für das Paar aus Hausbruch Anlass, Freunde und Wegbegleiter zu einem Empfang ins Landhaus „Jägerhof“ zu laden. Mehr als 200 Gäste waren gekommen, darunter unter anderem die SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Andreas Dressel, Mathias Petersen und Barbara Duden, CDU-Kreisvorsitzender Ralf-Dieter Fischer, Museums-Chef Prof. Dr. Rainer Maria Weiss und viele mehr. Bei dieser Gelegenheit wurde auch verkündet, wer die Mandate von Brigitta und Manfred Schulz übernimmt: Jasmin Hilbring rückt in die Bürgerschaft ein, Natalia Sahling wird Bezirksabgeordnete.

Andreas Dressel würdigte vor allem die Arbeit von Brigitta Schulz, sie habe „in der Arbeit vor Ort Maßstäbe gesetzt“. Zusammen mit ihrem Mann sei sie immer für die Bürger ansprechbar gewesen. SPD-Fraktionschef Jürgen Heimath nannte Manfred Schulz sogar „das Gesicht der Bezirksversammlung“. Er habe wie kaum ein anderer Bürgernähe praktiziert, verbunden mit einem unglaublichen Einsatz, er sei überall zu finden gewesen. Und auch von CDU-Chef Fischer kam ein großes Lob: „Manfred Schulz ist eine der honorigsten Persönlichkeiten des Bezirks.“

Nachdenklich stimmt ein wohlüberlegter Satz des langjährigen ehemaligen SPD-Kreisvorsitzenden Harald Muras: „Manfred Schulz ist eine der interessantesten, aber auch widersprüchlichsten Persönlichkeiten, die ich kenne.“ In der Tat hatte Manfred Schulz in der politischen Diskussion immer seinen eigenen Kopf, scheute auch nicht davor zurück, einige Genossen mit „Klartext“ zu verprellen. Wie zum Beispiel 2005, als er „das Blühen des islamischen Fundamentalismus im Schutze des deutschen Grundgesetzes und der deutschen Sozialgesetzgebung“ anprangerte. Die Deutschen hätten „Angst vor Arbeitslosigkeit, vor sozialem Abstieg, vor Verarmung im Alter, vor der Zukunft, vor Kriminalität und vor Fremdheit, insbesondere vor dem Islam, aber auch vor Zuwanderern aus Osteuropa“.

Zugleich forderte er die Deutschen auf, ihre Zuwanderer anzunehmen und zu fördern, es müssten ihnen Perspektiven für die persönliche Zukunftsgestaltung eröffnet werden. Andererseits müssten die Zuwanderer Deutschland annehmen, integrationsbereit sein und die Bereitschaft entwickeln, Deutsch zu lernen. Und 2008 forderte er den CDU-Bezirksabgeordneten Rainer Bliefernicht auf, sich für seine rassistischen Äußerungen über rumänische Facharbeiter zu entschuldigen, die in einem Gewerbegebiet in Marmstorf untergebracht werden sollten. Es mag für Manfred Schulz eine späte Genugtuung sein, dass ihn jetzt der neue SPD-Bundesvorsitzende und Kanzlerkandidat Martin Schulz für die geleistete Parteiarbeit gedankt und ihm eine gute Genesung gewünscht hat. ag