Harburg – Der Antrag, den André Lenthe für die Linke in der Bezirksversammlung einbrachte, klang eigentlich ganz vernünftig. Er wollte,

dass Stadtentwicklungsbehörde, Umweltbehörde sowie die Umweltverbände BUND und NABU im Harburger Fachausschuss für Gesundheit und Umwelt mal darüber berichten, wie es um den Schutz von Grünflächen in städtischer Umgebung steht und wie verhindert werden kann, dass der verstärkte Wohnungsbau zu einem Ungleichgewicht zwischen wirtschaftlichen und ökologischen Interessen führt.

Offenbar war es aber die falsche Partei, die den Antrag gestellt hatte: Die Große Koalition aus SPD und CDU lehnte den Antrag ab. Frank Richter (SPD), Vorsitzender des Stadtplanungsausschusses, begründete das auch: „Das brauchen wir nicht. Das, was hier gefordert wird, gibt es schon.“ Und er zählte diverse Programme und Richtlinien wie das „Grüne Netz Hamburg“ oder das Landschaftsprogramm auf.

„Stimmt“, sagte Jürgen Marek von den Grünen. „Das gibt es alles schon. Und trotzdem haben wir den Wettlauf mit dem Klimawandel schon verloren. Wir können nur noch versuchen, die Folgen des Klimawandels abzuschwächen.“ Es sei längst klar, dass auf Hamburg deutlich mehr Tropennächte und Starkregen zukommen. Auf einer Konferenz der Klimaforscher sei vor wenigen Tagen gerade festgestellt worden: Es gebe in Hamburg keine  Konzepte, um diese Herausforderungen zu meistern. Marek: „Für eine Ablehnung dieses Antrags fehlt mir jedes Verständnis.“ Und an die Abgeordneten der GroKo gewandt fügte er hinzu: „Entweder verstehen Sie es nicht. Oder Sie wollen es nicht.“ Es half nichts, GroKo blieb GroKo.

An dieser Stelle sei an eines jener Konzepte erinnert, das in Harburg schon vor Jahren zu angeregten Diskussionen geführt hat: der Grüne Ring. Davon gibt es in Hamburg sogar zwei. Die beiden Grünen Ringe bilden neben den Landschaftsachsen das Grundgerüst für das von Richter erwähnte „Grüne Netz“. Es soll Parkanlagen, Spiel- und Sportflächen, Kleingartenanlagen und Friedhöfe durch breite Grünzüge oder – zur Not auch – schmalere Grünverbindungen miteinander vernetzen. Nicht nur das: Die Ringe sollen für die Bürge auch erlebbar sein, deshalb werden auf den Ringen auch Wege für Fußgänger und zum Teil auch für Radfahrer angelegt.

Die Umweltbehörde hatte bei den Planungen unter anderem zwischen dem Harburger Stadtpark und dem Neuländer See eine größere Grünlücke entdeckt und vorgeschlagen, zumindest eine schmalere Gründverbindung samt Weg anzulegen, die unter anderem auch über die Wasmerstraßenbrücke führt. So ist es auch in allen aktuellen Karten zum 2. Grünen Ring eingezeichnet.

Nur: Die Wasmerstraßenbrücke gibt es seit Dezember 1999 nicht mehr. Sie musste abgerissen werden, damit war eine wichtige Verbindung für Fußgänger und Radfahrer zwischen der Siedlung Kanzlershof und den Einkaufsmöglichkeiten in Wilstorf gekappt. Mehr noch: Das Hamburger Fachamt für Landaschaftsplanung stellte 2001 fest: „Es ist dringend notwendig, dieses wichtige Verbindungsstück im Sinne des Freiraumverbundes als Fuß- und Radwegbrücke wiederherzustellen, was im Rahmen der haushaltstechnischen Möglichkeiten des Bezirks auch vorgesehen ist.“ Doch es geschah nichts. Anträge der Opposition zum Wiederaufbau der Brücke sind immer wieder abgeschmettert worden. Fazit: Es gibt vieles schon. Zumindest auf dem Papier. ag

 

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