Harburg – Elbphilharmonie, Kreuzfahrten, das „revitalisierte“ CCH, ja sogar die geplante Fehmarnbeltquerung sorgen dafür: Die Hotelbranche steht in

Hamburg vor goldenen Zeiten. Werden jetzt gut 13 Millionen Übernachten pro Jahr gezählt, rechnen die Tourismus-Fachleute für das Jahr 2025 mit 22 Millionen. Klar, dafür reichen die vorhandenen Hotels nicht aus.  Bis zu 18.000 zusätzliche Betten werden nach dieser Rechnung noch gebraucht. Mit der Faustformel „100 Betten pro Hotel“ kommt man dann zu der Erkenntnis: Hamburg braucht 180 weitere Hotels.

Und schon wird geträumt: Da Hamburg sieben Bezirke hat und der Tourismus-Boom gleichmäßig auf die Stadt verteilt werden soll, könnte doch im Bezirk Harburg bis 2025 ein Bedarf von – über den Daumen – 25 weiteren Hotels bestehen. Michael Schwarz und Robert Bojdecki von der Hamburgischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung mbH (HWF) waren nach Harburg gekommen, um den Mitgliedern der Ausschüsse für Stadtplanung sowie für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus ihre Prognose vorzustellen.

Besonderes Interesse fand dabei die Ankündigung, entlang von Korridoren mit bester Anbindung an den Öffentlichen Personenahverkehr neue Hotelstandorte in nicht zentral gelegenen Stadtteile zu entwickeln. Und natürlich die Aussage, der Bezirk Harburg sei mit S3/S31 bestens an touristische Hot Spots angebunden. Das i-Tüpfelchen lieferte schließlich der Blick in die druckfrische Hochglanzbroschüre „Hotelstandort Hamburg – Attraktive Chancen für Investoren“. Da ist dies zu lesen: „Große Potenziale bestehen zum Beispiel in Hamburg-Harburg südlich der Elbe, wo die meisten Hotels privat geführt werden und Hotels aller Kategorien deutlich unterrepräsentiert sind.“ Und: „Immer mehr Investoren habe heute Harburg im Fokus, wenn sie über dezentrale Hotelprojekte nachdenken.“

Immer mehr Investoren? Genannt wird dann nur das Best Western Hotel am Veritaskai, die Luftschlösser im Neuländer Quarree und in der EcoCity bleiben unerwähnt. Martin Hoschützky von der CDU ließ sich spürbar überhaupt nicht einwickeln und mäkelte am Text der Hochglanzbroschüre herum. Dort stehe: „Der südliche Bezirk von Harburg zeichnet sich durch direkte Bahnverbindung im Fernverkehr... aus.“ Der „südliche Bezirk von Harburg“? Wo ist das? Schade, ist die Broschüre etwa mit heißer Nadel gestrickt worden? Bojdecki versprach, bei „einer eventuellen Neuauflage der Broschüre über diese Textstelle noch einmal nachzudenken“.

Es spricht für die Professionalität des Harburger Bauamtes, dass es sich von textlichen Schwächen und zum Teil ein wenig dick aufgetragener Euphorie nicht davon hat abbringen lassen, die Chancen für Harburg zu erkennen und schon mal „Butter bei die Fische“ gemacht zu haben: Heiko Stolzenburg hat sich mal auf die Suche nach Fläche für mögliche zusätzliche Hotelstandorte gemacht. Fündig ist er unter anderem auf dem Neuländer Platz neben der Harburger Post am Bahnhof und auf der Fläche zwischen Post und Stadtautobahn geworden, auf der mal eine Eissporthalle und ein Sportdome angedacht waren.

Möglich wären auch Hotels am Lüneburger Tor, auf den Arealen  Neuländer Quarree und EcoCity, an der Seevestraße oder an der Theodor-York-Straße und im alten Phoenix-Verwaltungsgebäude am Harburger Bahnhof. Oder in den Neubaugebieten Vogelkamp und Fischbeker Heidbrook. Was Mut macht: „Es gibt einen ständigen Austausch“, sagte Harburgs Baudezernent Jörg Penner.

Skepsis blieb. Das Heimfelder Hotelier-Ehepaar Heida LIndtner und Gert Thies-Lembcke hatten aufmerksam zugehört, stellten zum Schluss aber fest: „Schön, dass es einen Hotelentwicklungsplan für Harburg gibt. Aber gibt es auch eine Bedarfsanalyse für Harburg?“ ag