160601PolitikHarburg – Sternstunden sehen anders aus. Eine Chance ist verpasst. Oder wie es eine Schülerin des Gymnasiums Süderelbe in knappe Worte packte: „Spannend geht anders.“

Am Dienstag hat die Harburger Bezirkspolitik den rund 50 Schülern gezeigt, was sie nicht kann. Junge Leute für Politik begeistern. Zum Auftakt gab es von den Grünen angezettelte, schwer nachvollziehbare Streitereien um den Segelflugplatz in Fischbek, dem ein ideologisch durchtränkter Vortrag von André Lente (Linke)  zum Thema „Kalter Krieg“ folgte und, als Krönung, vom dem „guten Onkel“ aus Marmstorf, Rainer Bliefernicht (CDU), der angesichts des unerwarteten Besuchs sich als Feuerwehr-Romantiker outete, ein latent kumpelhaft  angelegter Versuch die Schüler für den Freiwilligendienst zu rekrutieren. Da riss auch das armfreie Sommerkleid von Claudia Loss (SPD), das zumindest modisch einen Akzent setzte, nicht raus.

Das die Schüler, teilweise fluchtartig, den Saal ausgerechnet mitten in einer Rede von Kai Wolkau, Fraktionsvorsitzender der sich für besonders flott haltenden Neuen Liberalen, verließen, unterstrich das ganze Dilemma. Freiwillig, so sagte ein Schüler, werde er bestimmt nicht wieder kommen. Freiwillig gekommen waren die Jungen und Mädchen an diesem Dienstagabend auch nicht. Der Besuch war ein „Ausflug“ mit "Beobachtungsaufträgen für die häusliche Nachbereitung" im Rahmen des Unterrichts, bei dem es darum geht als "politisch informierter und engagierter Bürger und Schüler" Artikel für die Schülerzeitung zu verfassen.

Für die Harburger Politik kam ihre misslungene Vorstellung zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn gerade haben sich die Parteien Gedanken darüber gemacht, wie man Schulen und Schüler mehr einbeziehen kann, das in Antragsform gegossen und aufkommende Querelen angesichts der Politikverdrossenheit sogar begraben, um gemeinsam an einen Strang zu ziehen. Vielleicht sollte man es lassen. Oder man bekommt einen neuen Ansatz und führt den besuch der Bezirksversammlung als besonders abschreckende Form des Nachsitzens ein. zv

Veröffentlicht 1. Juni 2016