InnenstadtHarburgHarburg – Ja, wo leben wir denn? In der Provinz? Oder in einer Weltstadt? Die FDP Harburg hat ordentlich provoziert, überraschend aufdringlich plakatiert und zu einer „christlichen“

Vorabendszeit in der Fußball-Winterpause zur Diskussion eingeladen. Aber die Zukunft Harburgs interessiert seine Bürger kaum. Oder warum konnten die Liberalen mit ihrer Provokation nur gut 20 Leute – darunter mindestens zehn Parteigänger – hinter dem Ofen hervor und in den Elbcampus locken?

Jede Diskussion über die Identität und das Selbstwertgefühl von Harburg hat jede Menge Aktive verdient. Das gilt ebenso für die Initiative der Liberalen  – auch wenn sie im Ansatz stecken blieb. Das Impulsreferat von Stadtplaner Henrik Sander hatte mit bunten Bildern von skurrilen Brücken, farbenprächtigen Fahrbahnmarkierungen und Fahrrad-Highways durchaus noch Unterhaltungswert, und die Harburger blickten voller Neid in andere deutsche Städte, vor allem aber nach Dänemark und in die Niederlande, wo Ideen vermutlich weniger mühsam und unbürokratischer umgesetzt werden können.

Und dann? Was machen wir nun mit Harburg? Für alle, die nicht zum ersten Mal hinter dem Ofen hervorgekommen waren und sich Gedanken um die Harburger Stadtentwicklung machen, beschlich ein seltsames Gefühl: déjà vu! Schon mal gesehen! Erinnerungen an das unsägliche Innenstadtforum wurden wach, bei dem nach einem monatelangen Prozess der so genannten Bürgerbeteiligung nur ein paar verwaltungskonform glattgebügelte Vorschläge herauskamen, die ohnehin schon in Arbeit waren oder sich aus juristischen Gründen nicht durchsetzen ließen.

So wurde denn im Elbcampus festgestellt, dass Bahn und B73 zwei wichtige Bereiche von Harburg –  nämlich Binnenhafen und Innenstadt – trennen. Das müsse überwunden werden – zum Beispiel durch eine Landschaftsbrücke. Die allein könne aber nichts ausrichten, es müsste mindestens ein weitere Brücke her. Schon mal gesehen? Schon mal gehört? Der Wettbewerb zur Gestaltung der Landschaftsbrücke ist längst entschieden, und erste Skizzen für eine weitere Brücke zwischen Schlossmühlendamm und Harburger Schloßstraße sind auch schon vorgestellt worden. Und woher sollen die 13 Millionen Euro für die Landschaftsbrücke kommen? „Warum versuchen wir es nicht mit einer Public Private Partnership?“, fragte Dr. Stefanie Bremer, Mitglied des FDP-Kreisvorstands und mit Sander Vorstand von orange edge, Büro für Stadtplanung und Stadtforschung. Also 13 Millionen Euro aus privater Hand.

Viel konkreter war ein Thema: Harburg ist einer von drei ICE-Haltepunkten in Hamburg, der Bahnhof sei aber nur zu sehen, wenn die Bäume im Winter keine Blätter haben. Sonst verstecke er sich hinter einem kleinen Wäldchen und einem Fitness-Studio.

Und ganz konkret blieb nur noch eine Idee übrig: Um dem Herbert-Wehner-Platz vor Karstadt ein wenig mehr urbanes Leben einzuhauchen, sollte dort gebrauchter Rollrasen vom HSV verlegt werden. Auf den Antrag der beiden FDP-Bezirksabgeordneten Carsten Schuster und Viktoria Pawlowski kann man gespannt sein – und auf die Diskussion in der Bezirksversammlung. ag

Veröffentlicht 18. Januar 2016