Wetternstrasse2015Harburg – Kritiker werfen Bezirksamtsleiter Thomas Völsch (SPD) vor, er sei ein williger Erfüllungsgehilfe des Senats und vertrete die Interessen Harburgs nur halbherzig. Nun hat

er aber deutlich Rückgrat gezeigt, ob er sich damit durchsetzt, ist noch offen. In einem Schreiben an Heie Kettner – in der Sozialbehörde zuständig für neue Standorte zur Unterbringung von Flüchtlingen – hat Völsch nämlich das Aufstellen von drei weiteren Wohncontainern in der Alt-Unterkunft Wetternstraße unmissverständlich abgelehnt. Verwaltung und Politik seien bei den Anwohnern im Wort. Das dürfe nicht gebrochen werden.

Eine Mitarbeiterin von fördern & wohnen, Betreiber der meisten Hamburger Unterkünfte, hatte unlängst nach glaubhaften Schilderungen von Anwohnern in der Siedlung für erhebliche Unruhe gesorgt. Ihre Botschaft: fördern & wohnen möchte an der Stelle, wo bis vor kurzem noch ein Altbau stand, drei Wohncontainer mit 87 Plätzen aufstellen. Anwohnerin Hannelore Gebhardt: „Das haben wir als ziemlich dreist empfunden.“ Den Siedlern war nämlich in mehreren Gesprächen ein Deal angeboten worden: Die maroden Gebäude der Unterkunft Wetternstraße werden durch Neubauten ersetzt. Die Siedler akzeptieren eine Erhöhung der Wohnplätze, gleichzeitig wird ihnen aber zugesichert, dass damit das Limit erreicht ist.

Vor diesem Deal und auch danach hatte es gerade rund um die Unterkunft Wetternstraße Senatoren-Versprechungen und Garantien gegeben, die immer wieder gebrochen wurden. Anwohner-Sprecherin Iwona Mazurkiewicz„Wir hatten uns von Anfang an für eine gute Nachbarschaft mit der Unterkunft eingesetzt und zum Beispiel um einen Raum für Begegnungen gebeten. Dass man aber mehrfach Zusagen mit den Füßen getreten, hat unser Vertrauen in die Politik erschüttert. Ich frage mich ernsthaft, wie wir eine menschenwürdige Unterbringung der Geflüchteten und vor allem deren Integration schaffen wollen, wenn die Bürger nicht ernst genommen werden.“

Klar, dass die Empörung über den neuesten Plan von fördern & wohnen bei den Leuten von Wetternstraße, Zehntland und Flutende groß war. Marcel Schweitzer, Sprecher der Sozialbehörde, bestätigt gegenüber harburg-aktuell.de, dass dieser Plan schon besprochen wurde: „In der Standortkonferenz Harburg, in der auch Vertreter des Bezirksamtes Harburg vertreten sind, werden alle Flächenvorschläge diskutiert –  auch abwegige oder strittige. Die Wetternstraße ist wegen der extrem hohen Zugangszahl vorgeschlagen und diskutiert worden. Eine Entscheidung über die Nutzung durch die übergeordnete Lenkungsgruppe ist aber nicht erfolgt.“ ag

Veröffentlicht 9. Oktober 2015