150423Knoop3Harburg – Es ist eine Institution, die Veranstaltung für die Service-Clubs in Harburg. Für den Historiker und ehemaligen Leiter der Redaktion „Zeitgeschichte“ beim ZDF,

Professor Guido Knopp, wurde sie extra verlegt. Statt im Herbst kamen die Round Tabler, Lions und Rotarier bereits im Frühjahr in der Sparkasse Harburg-Buxtehude am Sand zusammen. Und sie taten es offenbar besonders gern. Gastgeber und Vorstandssprecher Heinz Lüers begrüßte „so viele Gäste wie nie bei dieser Veranstaltung“. Und die wurden nicht enttäuscht: Ein ehemaliger Moderator von Fernsehsendungen wie Knopp weiß eben, wie man sein Publikum entertaint und mit auf eine Reise durch die Zeit nimmt. So schilderte Knopp spannend die Phase der Deutschen Wiedervereinigung, die gar nicht so selbstverständlich zustande kam, wie heute viele glauben.

Überrascht waren die Zuhörer, weil nicht Michail Sergejewitsch Gorbatschow, der Mann, der verzückt mit „Gorbi, Gorbi" -Rufen bedacht wurde, sondern der amerikanische Präsident George Herbert Walker Bush, die Einheit der Deutschen gegen den offenen Widerstand der Engländer, die versteckten Widerstände der Franzosen und die ablehnende Haltung der Russen unterstützte.

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Guido Knopp, die Gastgeber sowie die Präsidenten der Service-Clubs. Foto: zv

Hart ins Gericht ging Knopp mit der Umsetzung der Europäischen Union, die mit vielen Regularien, wie etwa einer 52 Seiten starken "Schnullerkettenverordnung" die Menschen nervt und die Idee zerstört. „Man darf die großartige Idee Europa nicht wegen nationalen Eifersüchteleien und der Regelungswut aus den Augen verlieren“, sagte Knopp. Dabei hat er nicht nur die Verdrossenheit der Deutschen, die besonders gute Europäer seien, weil sie sich für ihre Vergangenheit schämten, sondern auch die EU-Verdrossenheit der Menschen aus vielen anderen Mitgliedsstaaten im Blick.

Auch den Umgang mit Griechenland, dessen Regierung übertragen auf Deutschland eine Koalition aus „die Linke und der NPD wäre“, kritisierte er. „Niemand traut sich, das traurige Spiel zu beenden“, so Knopp. In den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit habe die griechische Regierung zerstört, was die Vor-Regierung an kleinen Fortschritten erreicht hatte und das die jetzige Regierung ihre Schulden - in Richtung Griechenland sind laut Knopp bereits 240 Milliarden Euro überwiesen worden -, „nicht zahlen könne und nicht wolle“. So plädierte Knopp mit dem Hinweis, dass die Eurokrise eigentlich eine Schuldenkrise einiger südeuropäischer Länder sei,  für die Rückkehr zu Drachme.

Der Applaus unterstrich die Nachhaltigkeit des Vortrages. Danach gab es noch Gelegenheit persönlich mit dem Historiker, der bereits zum zweiten Mal in seinem Leben in Harburg war, ins Gespräch zu kommen. zv

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Die zum Vortragssaal umgebaute Kundenhalle. Foto: zv

Veröffentlicht 23. April 2015