150504SprayerHarburg – Kunst ändert alles. Oder: Die Kunst ist mehr wert als die Wahrheit. Möglicherweise sind es solche Sätze, die es der Kunst in der Politik so schwer machen. Hier und da

ein paar Almosen (gelegentlich auch mehr), aber immer hübsch bleiben. Aufpassen, dass die Kunst nicht mehr will. Und genau da beginnt das Missverständnis, das dem Harburger Kultur-Beirat so eine schwere Geburt beschert.

Schon in der vergangenen Legislatur sollte die Kunst mitreden dürfen. Aber bitte in einem Beirat, also Mund aufmachen ja, aber Hand aufhalten nein und entscheiden schon gar nicht. Immer hübsch hinten anstehen. Tagesordnungspunkt zwölf, frühestens. Hinzu kam: Der Vorsitzende des Ausschusses für alles, was in den anderen Fachausschüssen keinen Platz abbekommen hatte, also Kultur, Bildung, Sport und Stadtteilentwicklung, kurz „Ka-Be-Es-Es“, Heinz Beeken (SPD) und der Sprecher des „bunten Haufens“ SuedKultur, Heiko Langanke, konnten nicht miteinander. Da trafen nicht nur Kultur-Generationen aufeinander, es waren Welten.

Nach der Bezirkswahl wehte ein frischer Wind. Der Ausschuss bekam mit den Zuständigkeiten Kultur, Sport und Freizeit Konturen und mit Ralf-Dieter Fischer (CDU) einen neuen Vorsitzenden. Schneller als erwartet folgte die nächste Flaute. Fischer hatte ordentlich zu tun, musste die GroKo in Harburg schmieden, den Baudezernenten ärgern, nebenbei den Beachclub retten und einen vergurkten Bürgerschaftswahlkampf verdauen. Nun aber, knapp ein Jahr später, hatte Heiko Langanke unter Tagesordnungspunkt eins Gelegenheit, den Kultur-Beirat zu reanimieren.

SuedKultur will mehr als gelegentlich ein paar Anträge zu stellen. Langanke: „Wir wollen unsere praktische Kompetenz und unsere Erfahrungen nutzen, um die kulturpolitischen Umstände im Bezirk Harburg nachhaltig zu verbessern. Das Ziel ist klar: Wir wollen jedwede Aktivitäten von Kulturschaffenden fördern, sei es der bildenden Kunst, des Films, der Darstellenden Kunst, des Tanzes, der Musik oder der Literatur.“ Ein erster Schritt sei der Abbau bürokratischer und politischer Hürden, egal ob beim Stellen eines Antrags auf Förderung oder  als Hilfe in Fragen der GEMA, der Künstlersozialkasse oder von Urheberrechten. Ein verschlanktes Genehmigungsverfahren für Outdoor-Plakatierungen könne ebenfalls dazu beitragen, der Kunst mehr Freiräume zu schaffen. Langanke: Es geht ausdrücklich nicht darum, kulturelle Aktivitäten hinsichtlich seiner Inhalte, seiner ausführenden oder initiierenden Personen oder Institutionen zubeurteilen oder zu bewerten.“

Also, Politik: Nach Umsturz hört sich das doch nicht an. Eher nach vernünftigen Vorschlägen, die dafür sorgen könnten, dass in Harburg nicht jedes kleine Kulturpflänzchen gleich an der Bürokratie zerschellt. Fischer Fazit: „Darüber kann man reden.“ Denn man los! ag

Veröffentlicht 4. Mai 2015