130812BildHarburg – Vor 15 Jahren wurde das Bild „Zwei Jungen mit springendem Spitz“ des Malers Christian Ludwig Bokelmann in Nienstedten gestohlen. Jetzt hält es

Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, Direktor des Helms-Musems in seinen Händen.  Er ist ein weiteres Stück in der Sammlung von Werken des Malers, der von 1863 an einige Jahre in Harburg lebte und von hier aus seine Karriere als Künstler begann.

 

Das jetzt das Bild in Harburg ist, hat er seinem mittlerweile pensionierten Museumspädagogen Dr. Rüdiger Articus zu verdanken. Und das kam so:

Als das Bild 1998 aus dem Haus der Honorargeneralkonsulin von Bolivien gestohlen wurde, berichtete damals das Hamburger Abendblatt über den Fall. Articus, ein Mann, den die Stadtgeschichte schon immer besonders interessierte, bewahrte den Bericht über Jahre auf. Als ihm im vergangenen Jahr ein Katalog eines Münchener Auktionshauses in die Hände fiel, in dem die Kunstwerke gezeigt wurden, die versteigert werden sollen, fiel ihm sofort das als gestohlen gemeldete Bild auf. Articus informierte die Polizei.

Die hat zwei Experten für Kunstdiebstähle. Beide sitzen in Harburg an der Wilstorfer Straße. Hauptkommissar Joachim Schulz veranlasste die Sicherstellung des Bildes. So kam die Versicherung in den Besitz des Kunstwerkes, denn sie hatte die Konsulin längst ausbezahlt und die wollte das Bild nicht wiederhaben.

Diesmal war es die Kripo, die wegweisend eingriff. Schulz gab der Versicherung den Tipp, dass das Harburger Museum Bokelmanns sammelt. Schnell wurde man sich einig. Für nur 500 Euro konnte das Helms-Museum das Werk erwerben. „Ein sehr fairer Preis“, freut sich Rainer-Maria Weiss, der mit Hinweis auf die finanziellen Möglichkeiten bei den Versicherungsmenschen auf die Tränendrüse gedrückt hatte.

Dass das Bild in der Zeit nach dem Diebstahl mit einer dicken Klarlackschicht überzogen wurde, stört ihn nicht. Ein Restaurator bekommt das hin. Auch wenn es nicht billig wird.

Zu sehen ist das Bild zunächst nicht. Die Abteilung Stadtgeschichte muss erst ihren neuen Platz bekommen. Doch dann wird das Bild zu bestaunen sein.

Ein bisschen zu Bokelmann, der am 4. Februar 1844 in der Nähe von Bremen geboren wurde und am 14. Mai 1894 in Charlottenburg starb: er kam als 1863 nach Harburg, um bei seinem Onkel eine Lehre zu machen. Bokelmanns Vater hielt nicht viel von den künstlerischen Ambitionen und hielt das Malen für „vertrödelte“ Zeit. 1865 wurde Christian Ludwig Bokelmann Aufpasser in der Harburger Gummi-Kamm-Compagnie, wo ein Buchhalter seine Zeichnungen sah und ihn dazu ermunterte seine Künstlerkarriere zu beginnen.

Bokelmann ging nach Düsseldorf, wurde als Volkslebenmaler bekannt und auch Professor an der Akademischen Hochschule für bildende Künste in Berlin. Dort stürzte er 1894 in seinem Atelier von einer Leiter, als er einen Lorbeerkranz aufhängen wollte, den ihm Schüler geschenkt hatten. Er starb an den Folgen des Sturzes. zv