130322SchichtBinnenhafen – Eine Himmelsscheibe wie in Nebra oder einen Goldenen Hut wie bei Schifferstadt wird man, auch wenn schon mehr als zehntausend, teilweise

herausragende Fundstücke bei den Ausgrabungen an der Harburger Schloßstraße entdeckt wurden, wohl nicht finden. Dafür haben die Archäologen etwas ganz anderes freigelegt, was wohl einmalig ist.

Bei den bis zu fünf Meter tiefen Ausgrabungen ist der Längsschnitt des Einschlags einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg ans Licht gebracht worden. „Das ist ein absoluter Zufall, dass der Einschlag genau im Hauptprofil liegt“, sagt Landesarchäologe Rainer-Maria Weiss. „So etwas habe ich noch nie gesehen.“

Genau ist zu sehen, wie die Erdschichten, die die Geschichte Harburgs erzählen, durch die Wucht der Explosion verrückt und gebogen wurden. Selbst Splitter der Bombe, die tief in den Boden bis unter die dünne, schwarze Schicht eindrangen, die den Stadtbrand von 1396 markiert, ragen wie dreidimensionale Objekte aus der Erdwand.

Auch andere Funde begeistern die Archäologen. So wurden Schiffsteile entdeckt, die in Häusern verbaut wurden. Und auch der ehemalige Harburger Marktplatz wurde offenbar gefunden. An der Stelle, an der die Bombe einschlug, wurden nach dem Brand von 1396 keine neuen Häuser errichtet. Stattdessen stand hier ein 26 Meter langer Bau auf Pfählen. Vermutlich war es eine Reeperbahn, in der Schiffstaue hergestellt wurden. Daneben wurde die Überdachung vermutlich als Marktfläche genutzt. Eine überdachte Marktfläche: Davon träumt man heute am Sand.

Wer die Ausgrabungen selbst sehen will: Jeden Donnerstag gibt es einstündige Führungen. Sie werden kostenlos angeboten. Treffpunkt um 14 Uhr ist da das TuTech-Gebäude an der Harburger Schloßstraße. zv