100930ausgrabung Harburg - Von weitem sind ein großes Zelt und einige Löcher zu erkennen. Doch das allein ist nicht der Grund für das große Interesse. Denn beeindruckend und spektakulär ist der Blick in das Grubeninnere. Seit vier Jahren untersuchen das Archälogische Museum und

das Helms-Museum zwischen Daerstorf und Neu Wulmstorf ein 1200 Jahre altes Gräberfeld. Für Historiker, Wissenschaftler und Archäologen eine wahre Goldgrube. Bei der aktuellen Kampagne sind zahlreiche Bestattungen  freigelegt worden. Zu erkennen sind nur dunkle Flecken, die erahnen alssen, das hier ein Mensch begraben wurde. Nun begeben sich die Experten auf eine Reise, weit zurück in die Vergangenheit. Den Erkenntnissen zufolge besiedelten die Menschen unseren Lebensraum zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert, in der sächsischen Zeit. Während der Arbeiten stieß man sogar auf Perlen, Armreifen, eine Gürtelschnalle und eine Messerklinge. Diese werden nun aufwendig restauriert und untersucht.

Seit Juli "beackert" das Team um Kreisarchäologe Jochen Brandt, dass rund 500 Qudratmeter große Areal. Und dieses Jahr wird wohl in die Geschichtsbücher eingehen. Bei den Untersuchungen wurde ein vollständiges Pferdegrab entdeckt- das erste mal seit 40 Jahren im Landkreis Harburg. Jochen Brandt sagt dazu: "Spannend für uns ist es nun zu klären ob es sich beim Fund, um eine Grabbeigabe oder ein Tieropfer handelt." Beides scheint möglich. "Die Lage des Pferdes spricht dafür, dass es am Grab eines Reiters getötet wurde." Die Knochen des Tieres sind sehr gut erhalten, ein Zahn lässt auf einen Hengst schließen.

Besonders anspruchsvoll und schweißtreibend ist die Arbeit der Archäologen, weil es sich bei dem Boden, um einen Flugsandboden handelt. Windverwehungen stellen ein extremes Risiko für die Funde dar. Willi Müller, Grabungstechniker des Helms- Museum erläutert: "Wir müssen den Boden ständig wässern. Außerdem wurde das Pferd mit Kunstharz bearbeitet, um es vor der Witterung zu schützen." Von dem Pferd sind Beckenknochen, Schenkel, Schulterblatt und ein linkes Bein erhalten. "Der Rest wurde vermutlich mit dem Laufe der Zeit zersetzt", so Brandt. Auch einzelne Teile des Schädels sind noch vorhanden, andere wurden bei der Ausgrabung unabsichtlich zerstört. Interessant ist auch, dass die Rippen des Tieres fehlen. Rein theoretisch könnten die Bewohner, dass Fleisch vor der Bestattung verzehrt haben. Demnächst werden die Fundstücke nach Schleswig gebracht. "Dort können sie von Spezialisten genauer begutachtet werden. Die Ergebnisse präsentieren wir in den nächsten Jahren", sagt Brandt.

Ermöglicht und maßgeblich unterstützt werden die "Spurensucher'" vom Landkreis Harburg.  Bis Oktober wird noch gearbeitet, dann werden die Krater wieder zugeschüttet. Danach soll das Projekt aber keineswegs begraben werden. Die Erfolge machen Lust auf mehr. Wir haben großes Interesse diesen Ort weiter zu untersuchen", so Müller. (pw)

 

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