151127Plastik2Harburg – Es ist eigentlich ein Jammer, wie respektlos die Stadt Hamburg mit einem Werk des 2013 verstorbenen Künstlers Friedrich Gräsel umgeht. Die 1973 geschaffene

„Tunnelplastik mit Kette“ vergammelt auf dem Gelände des ehemaligen Materialdepots der Schulbehörde in der Einflugschneise des Flughafens Fuhlsbüttel. Neben dem sehenswerten Gebäude im Bauhausstil, in dem heute das „Kunsthaus Sootbörn“ residiert, entdeckte harburg-aktuell.de die Plastik in einer Ecke, überwuchert von Unkraut, beschmiert, verrostet und auseinandergefallen. Vernachlässigt und vergessen.

Dabei waren schon vor Jahren 45.000 Euro bereitgestellt worden, um das Kunstwerk über die Elbe springen zu lassen und neben der Harburger Schleuse, also mit maritimen Bezug, wieder aufzustellen. Doch Umbauarbeiten an der Schleuse verhinderten den Plan, die Plastik blieb in seinem Zwischenlager, und als 2012 die SPD wieder das Sagen hatte, wurde das Geld für andere Zwecke ausgegeben.

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Vernachlässigt und vergessen: die „Tunnelplastik mit Kette“. Foto: mag

Jetzt hat sich Ralf-Dieter Fischer, CDU-Chef, Vorsitzender des Harburger Kulturausschusses und ausgewiesener Kunstkenner, wieder an den alten Plan erinnert und das Bezirksamt aufgefordert, einmal auszuloten, wie man die Tunnelplastik doch noch nach Harburg holen könnte. Eins steht jetzt schon fest: Es würde teuer werden, die Kulturbehörde schätzt die Kosten auf mindestens 100.000 Euro. Schließlich müsse das Objekt letztlich neu gebaut, zumindest komplett saniert werden. Die Behörde ist zwar bereit, die Kosten für die Expertise zu übernehmen, alles andere müsse der Bezirk bezahlen.

Fischer will sich dadurch nicht entmutigen lassen: „Wir lassen jetzt erst einmal prüfen, ob sich vielleicht auch auf der Schlossinsel ein geeigneter Platz findet.“ Außerdem müsse die Kulturbehörde aufgefordert werden, die Plastik so zu lagern, dass sie nicht weiter zerfällt. Die Kulturbehörde hatte die Tunnelplastik im Vorfeld der Internationalen Gartenausstellung 1973 in Auftrag gegeben. Zusammen mit Werken wie dem überdimensionalen Metronom des Dadaisten Man Ray bildete es eine „Kunstallee“, die vom Hauptbahnhof zum Ausstellungsgelände in Planten und Blomen führte. Die Tunnelplastik stand auf einem Sockel neben der Kunsthalle, gut sichtbar für die vielen Tausend Autofahrer, die die Lombardsbrücke passierten. 1997 musste die Plastik dem Neubau der „Galerie der Gegenwart“ weichen und verschwand im Materialdepot der Schulbehörde. Ag