Harburg – Der Senat lässt jetzt zwei Jahre lang untersuchen, ob für den östlichen Binnenhafen und Teile der Harburger Innenstadt eine „städtebauliche Entwicklungsmaßnahme“ angeordnet werden kann. Das klingt auf den ersten Blick harmlos, ist in Wirklichkeit aber ein scharfes rechtliches Schwert, mit dem städtebauliche Ideen besser und schneller durchgesetzt werden können.

Ist die Maßnahme erst einmal gestartet, kann die Stadt sogar in Eigentumsrechte eingreifen. Mit anderen Worten: Sperrt sich ein Eigentümer, seine Immobilie für ein bestimmtes, von der Stadt gewolltes Projekt herzugeben, kann er enteignet werden. Das alles birgt für die Stadt erhebliche, vor allem finanzielle Risiken. Deshalb soll die Situation vorher gründlich geprüft werden.

Harburgs Baudezernent Jörg Penner hat die Entscheidung des Senats im Stadtentwicklungsausschuss verkündet. Welche Folgen sie im Detail haben könnte, ist noch nicht öffentlich besprochen worden. Der Blick auf den Geltungsbereich der Maßnahme lässt aber einige Knackpunkte erahnen: Im Nordosten des Binnenhafens wären zum Beispiel die Bereiche „Hafenbezirk“ und Nartenstraße betroffen. Hier lauert der erste Konflikt: Immer wieder hatte das Bauamt Gebiete östlich der Hafenschleuse und auch das Areal des Handelshofs als Potenzialflächen für umfangreichen Wohnungsbau präsentiert.

Weiter südlich entlang der Hannoverschen Straße taucht hinter der Chemiefirma Brenntag und dem Betriebshof der Hochbahn ein städtebauliches Nirwana auf.  Die Harburg-Freudenberger Maschinenbau GmbH zieht demnächst in ihren Neubau an der Schlachthofstraße, die Seevestraße soll verlegt werden, vor allem aber fehlt eine städtebauliche Struktur.

Dieses Areal ist nicht irgendeine Ecke im Binnenhafen, vielmehr könnte es zum Scharnier zwischen Binnenhafen und Innenstadt werden, durch das auch eine attraktive fußläufige Verbindung zwischen den geplanten Hotels im Binnenhafen und dem Harburger Fernbahnhof werden. Das kann nur mit einer einheitlichen Planung gelingen – nicht aber, wenn es den Interessen einzelner Projektentwickler überlassen wird.

Die Maßnahme wird bis ins Schippseeviertel reichen. Schon lange haben die Harburger Stadtplaner diesen Bereich im Visier. Frank Richter, Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses, hat das mal so beschrieben: „Das ist Wildwuchs. Wir müssen da mal aufräumen.“ ag