Heimfeld –  Spielt die Umweltbehörde bei der geplanten Ausweisung des Heimfelder Holzes als Naturschutzgebiet mit gezinkten Karten?

In der Pressemitteilung einen Tag vor Silvester hatte die Behörde mitgeteilt, dass sie mit dieser Maßnahme den angekündigten „Kahlschlag“ (600 von 12.000 Bäumen) im Privatwald der ImmoForst OHG verhindern wolle. Inzwischen deutet aber einiges auf einen ganz anderen Grund hin: Der Marmstorfer CDU-Kreisvize Rainer Bliefernicht hatte gegenüber harburg-aktuell zuerst den Verdacht geäußert, der Senat wolle sich den Wald nur als Ausgleichsfläche für die Erweiterung des Daimler-Werks in Bostelbek sichern. Immerhin hatte die Bezirksversammlung die Zustimmung zum Bebauungsplan davon abhängig gemacht, dass der Ausgleich im Bezirk – und nicht irgendwo anders – sicherzustellen sei.

Dieser Verdacht scheint inzwischen erhärtet. Nach Informationen von harburg-aktuell hat die in Hamburg ansässige Deutschlandzentrale eines US-Konzerns schon im Sommer 2019 über einen Mittelsmann Kontakt zur ImmoForst OHG aufgenommen,   um deren 47 Hektar Privatwald zu kaufen. Das Unternehmen ist eine der Marktführer bei der Entwicklung von Logistikimmobilien. Zur Erinnerung: Bei der „Daimler-Erweiterung“ handelt es sich um ein Logistikzentrum neben dem Werk, das von der PGH Planungsgesellschaft Holzbau mbH betrieben und von Daimler gemietet werden soll.

Inzwischen hat auch Ralf-Dieter Fischer, CDU-Fraktionschef in der Bezirksversammlung Harburg, das Thema aufgegriffen. Mit Hilfe einer Kleinen Anfrage will er unter anderem erfahren, ob „die geplante Umwandlung in ein höherwertiges Grün- und Naturschutzgebiet im Zusammenhang mit den Zusagen des Senats und von Fachbehörden steht, bei der Erweiterung des hit Technoparks und des Bostelbeker Werkes der Daimler AG den erforderlichen umfangreichen Grünausgleich möglichst nah an den Maßnahmen im Bezirk Harburg zu ermöglichen“? Fischer fragt auch, ob die Umwandlung „eines bisher zum erheblichen Teil ungenutzten, brachliegenden Waldgeländes“ in ein Naturschutzgebiet wirklich geeignet ist, den Grünausgleich für die genannten Baumaßnahmen zu leisten.

In einem anderen Punkt hat die Umweltbehörde die Öffentlichkeit ganz offenbar  getäuscht. Am 30. Dezember 2019 hatte harburg-aktuell die Behörde gefragt, wie die ImmoForst OHG, die nun nicht mehr Forstwirtschaft betreiben darf, entschädigt werden soll. Noch am gleichen Tag hatte ein Sprecher der Umweltbehörde schriftlich geantwortet: „Dem Eigentümer wurde ein Kaufangebot unterbreitet.“ Heinrich Schabert von der ImmoForst OHG weiß bis heute nichts von einem Kaufangebot. „Bernd Ulrich Netz von der Umweltbehörde hat uns lediglich darauf hingewiesen, dass die Stadt Hamburg eine Fachabteilung habe, die für Grundstücksankäufe zuständig ist“, sagt Schabert. Es habe zu keinem Zeitpunkt ein Gespräch über einen konkreten Grundstücksankauf gegeben. Am 7. Januar habe die ImmoForst lediglich eine E-Mail bekommen, in der die Umweltbehörde ihre Bereitschaft zu einem Gespräch signalisiert habe. Schabert: „Es wurde aber nicht mitgeteilt, worum es in diesem Gespräch gehen soll.“ ag