Harburg - Es klingt schon gut. 56.036 Menschen sind an einem Tag durch die Lüneburger Straße, der Harburger Fußgängerzone, gegangen.

Das sind 15.500 mehr als bei der Zählung 2017. Der Trend ist positiv. Die Sache hat einen Haken. Der gleiche Besucher kann mehrfach gezählt worden sein. Zwei der Zählpunkte in der Lüneburger Straße liegen nur zehn Hausnummer auseinander im besonders stark frequentierten Teil der Fußgängerzone zwischen Harburger Ring und Bremer Straße. Auch ein dritter Zählpunkt liegt in der Fußgängerzone. Jede Person, die dort lang gegangen ist, wurde erfasst - unabhängig davon, ob sie schon am vorherigen Punkt gezählt wurde. Wer weiter geangen ist, konnte noch durch zwei Zählpunkte in der Seevepassage kommen. Auch in der Hölertwiete und am Sand wurden jeweils an einer Stelle gezählt. Wer zweimal durch die Fußgängerzone lief, beispielsweise um zurück zum Auto oder zur Bushaltestelle zu kommen, lief erneut durch die Zählpunkte. Tatsächlich gingen an dem am besten freuquentierten Ort in der Harburger Fußgängerzone über den Tag rund 15.000 Menschen vorbei. Das klingt nicht ganz so toll wie 56.000. Es sind aber immer noch sehr viele.

Interessant sind die Auswertungen für die Center, insbesondere das Phoenix-Center. Dort wurden 20.225 Besucher mehr an allen drei Zähltagen festgestellt, als zwei Jahre zuvor. Gezählt wurden dort auch nur die Besucher, die im Erdgeschoss durch die Eingänge gekommen sind. Autofahrer, die über das Parkdeck kamen und das Center nicht verlassen hatten, wurden nicht erfasst. Auch sollen die automatischen Zähluhren lediglich an zwei Zugängen installiert sein. Wie viele Besucher das Center tatsächlich an den drei Tagen hatte, wurde nicht bekannt. Die Zahlen hält das Unternehmen unter Verschluss. Lediglich eine etwas ältere Zahl der wöchentlichen Besucher gibt es: 204.000. Das wären bei sechs Öffnungstagen 34.000 Besucher täglich. Danach dürfte die Steigerung der Besucherfrequenz im Phoenix-Center um die 20 Prozent im Vergleich mit der Zählung 2017 liegen.

Trotzdem der "Ungenauigkeiten" bei der Erfassung lassen sich einige Rückschlüsse aus der Erhebung ziehen. Vor allem weil es an einem der drei Zähltage mit über 32 Grad extrem heiß war, dürften viele Besucher das Phoenix-Center und auch die anderen Center, wie Marktkauf und die Arcaden bevorzugt haben. Sie sind klimatisiert. Der gleiche Effekt dürfte bei schlechtem Wetter eintreten. Einen Anstieg der Besucherzahlen in den Arcaden sieht das Citymanagement, das die Zählung in Auftrag gegeben hatte, auch in der Verlegung des Wochenmarktes auf den Harburger Rathausplatz.

Das Fazit den Citymanagementes: "Auch die diesjährige Zählung zeigt, dass die Harburger Innenstadt ihrer Oberzentrumsfunktion gerecht wird." Das dürfte aber nicht gleichermaßen für alle Bereiche gelten. Neben der reinen Frequentierung dürfte auch das Angebot eine Rolle bei der Funktion eines Oberzentrums spielen. Ob die aktuellen Geschäfte in der Harburger Fußgängerzone den Bedarf der Käufer aus dem "Speckgürtel" erfüllen und ob die verstärkte Parkraumüberwachung und Preispolitik an städtischen Parkautomaten in der Innenstadt den Kampf als Oberzentrum gegen Mitbewerber im Umland unterstützt, sollte zumindest mal kritisch hinterfragt werden. zv