Heimfeld - Chancen. Ja, die hat Harburg. Das hat Henning Vöpel vom Hamburgischen WeltWirtschaftsinstitut messerscharf erkannt. So wie

viele vor ihm. "Die Zukunft liegt in Hamburgs Süden" oder "Harburg hat Potenzial", sind die Sprüche aus der seit Jahrzehnten laufenden Endlosschleife, die den Harburger vor allem im Zusammenhang mit den Problemen des Einzelhandels in der Harburger Innenstadt oder als politisches Trostpflaster mitgegeben werden. Jetzt war es eben Vöpel bei der Monatsveranstaltung des Wirtschaftsvereins im Privathotel Lindtner.

Gut der Anfang war stark, wenn nicht unbedingt überraschend. "Mit der Digitalisierung steht die Wirtschaft vor dem größten Umbruch seit 200 Jahren", verriet Vöpel den rund 60 Zuhörern. Weltweit stehe man vor der "Neuvermessung von Wirtschaft und Gesellschaften". Man stehe vor einer "Transformation", die die wirtschaftliche Weltordnung "fundamental verändern" werde. Deutschland sei darauf schlecht eingestellt. Zu behäbig, zu selbstzufrieden, zu reguliert. Es sei "keine einfach Situation", wenn die Welt von in einer Stunde den Mutigen gehöre. Und die Mutigen, wie Singapur, seien die Schnellen, die die neuen Chancen nutzten und umsetzten.

Das war auch nicht ganz neu. Aber sehr deutlich. So weit. So gut. Danach wurde es schwammig, ja irgendwie banal, vielleicht sogar ein Tickchen peinlich. Der heiße Tipp, dass Kneipen zur Entzerrung des Tagesablaufs Pakete annehmen könnten und branchenübergreifende Netzkooperationen die lokalen Anbieter im Kampf gegen Amazon besser auffindbar machen könnten, wirkten wie der Griff in die 08/15-Klamottenkiste der Möchtegern-Beratung. Und auch der Hinweis, das man lokales Konkurrenzdenken überwinden muss und stattdessen zusammenarbeiten sollte, um sich digital zu positionieren, versehen mit der Schmeicheleinheit, dass da die Bezirkspolitik ein ganz, ganz wichtiger Akteur sei, könnte man als geografisch beliebig einsetzbare Binsenweisheit einstufen. Völlig außen vor geblieben ist, wie sich 3D-Druck auf den Handel auswirken wird.

Etwas versteckt war wohl diese Botschaft: Macht es wie Amazon oder Facebook. Sammelt Daten und nutzt sie. Und weil die Daten jedes einzelnen Unternehmens zu wenige sind: Legt sie zusammen. Dazu nehmt Daten aus dem öffentlichen Raum. Daraus kann man Vorhersagen ableiten. Die nutzt man für Service und punktgenaues Ansprechen potenzieller Kunden.

Der kleine Haken: Um Ansagen ala Amazon machen zu können, braucht man Nutzer, die etwas freiwillig von sich preisgeben. Man bräuchte den gläsernen Harburger und den gläsernen Speckgürtelbewohner, sowie die bereitwillige Verwaltung, die Daten sammelt und weitergibt. Dann kommt der zweite Haken: Man bräuchte eine Struktur, die die Daten speichert, zusammenfasst und analysiert - natürlich in einer vor Datenklau und Missbrauch gesicherten Umgebung.

Man darf Zweifel anmelden, dass die Bereitschaft bei den Nutzern zu so einem Vorgehen vorhanden. Denn etwas Facebook zu verraten, ist gefühlt anonym. Sich für ein lokales Netzwerk digital zu entblättern, dürfte auf deutlich weniger Akzeptanz stoßen. Genau dieses Problem, das auf lokaler Ebene entsteht, bräuchte andere Ansätze. Das groß Ganze, das ein Vöpel als Ökonom auf volkswirtschaflicher Ebene im Augen hat, wird schwer adaptierbar sein. Ach ja. Und dann ist da noch der Datenschutz. zv