Harburg – Der Ausverkauf von Harburgs ehemals größtem Arbeitgeber, den Phoenix Gummiwerken (seit 2007 ContiTech), geht weiter.

Er begann 2002 mit der Freigabe von rund einem Hektar Betriebsgeländes für den Bau des Phoenix-Centers, es folgten die  Umnutzungen einer nicht mehr gebrauchten Produktionshalle  für die Falckenberg-Sammlung  und des Verwaltungsgebäudes für Studenten-Appartements und ein Boarding House. Jetzt hat der Ahrensburger Investor Friedrich-Karl Winter eine Halle neben der Falckenberg-Sammlung gekauft, eine weitere Halle hat er auch schon im Auge.

Architekt Kilian Kresing hat nun im Stadtplanungsausschuss erste Überlegungen für die bereits entkernte erste Halle vorgestellt. Ihm schwebt ein Mix aus Ateliers, Büros, kleinen Läden und einem Café vor.  Er sieht in dem Projekt „Harburger Höfe“ großes Potenzial. Kresing: „Das ist eine wunderbare Situation. Die beiden Hallen sind das kleine Herzstück für ein neues Quartier.“ Durch die neuen Nutzungen erhöhe sich auch die Durchlässigkeit des Areals: Künftig könne man zum Beispiel vom Harburger Bahnhof quer über das alte Betriebsgelände zur Wilstorfer Straße gehen.

Baudezernent Jörg Penner erinnerte daran, dass es schon verschiedenen Versuche gegeben habe, die Hallen anders zu nutzen: „Die sind aber alle gescheitert, weil man sich nicht auf den Verkaufspreis einigen konnte.“ Das Bauamt werde das Projekt jedenfalls sehr wohlwollend begleiten, und das ganz besonders, wenn eventuell noch „gewisse kulturelle Nutzungen“ ermöglicht werden.

Alle Akteure gehen davon aus, dass die Hallen allein schon wegen der Nitrosamin-Belastung nicht für den Bau von Wohnungen in Frage kommen. Noch nicht zu Ende gedacht ist auch die Idee des Architekten, auf das Dach der denkmalgeschützten Hallen weiße Kuben zu errichten, die vielleicht als Boarding Houses – also für eine kurzzeitige Wohnnutzung – angeboten werden könnten.

Das sieht CDU-Fraktionschef Ralf-Dieter Fischer nun gar nicht: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass da der Denkmalschutz mitspielt.“ Im Übrigen sei das Projekt „sehr begrüßenswert“. Ähnlich äußerte sich auch Michael Dose von der SPD.

Spitzer wurde es, als Isabel Wiest von den Neuen Liberalen davor warnte, in den Hallen Mikro-Appartements einzurichten: „Davon gibt es in Harburg genug.“ Man müsse da besonders aufpassen, denn das Bezirksamt habe längst den Überblick verloren und habe auf eine Anfrage ihrer Fraktion nicht einmal sagen können, wie viele Mikro-Appartments es in Harburg überhaupt gebe. Baudezernent Penner konterte: „Sie haben offenbar nicht richtig zugehört. Dort wird es keine Wohnungen geben.“ ag