Harburg – Im Bezirk Harburg gibt es 688 Einzelhandelsbetriebe mit einer Gesamtverkaufsfläche von

246.540 Quadratmetern – gut ein Zehntel davon allein im Phoenix Center. Alle zusammen erzielten 2017 einen Umsatz von 891,9 Millionen Euro. Das sind Zahlen für Statistikfreaks, doch das „Nahversorgungskonzept 2018“, das die renommierte GMA Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH im Auftrag des Bezirksamts entwickelt hat, bietet mehr.

„Wir wollen Planungen für Einzelhandelsstandorte erleichtern“, sagt GMA-Projektleiter Raimund Ellrott. Dazu hätten die Gutachter eine Fülle von Daten zusammengetragen. Darüber hinaus haben die Gutachter auf 149 Seiten für die einzelnen Stadtteile von Cranz bis Wilstorf auch Handlungsempfehlungen formuliert.

Zum Beispiel für Eißendorf: Ursprünglich hatte es hier nur kleinteilige Ladenlokale im Erdgeschoss von Wohnhäusern gegeben. Das änderte sich erst mit dem Bau der Discounter von Penny  an der Lühmannstraße und Netto an der Weusthoffstraße und später mit dem Vollsortimenter von Rewe am Kirchenhang. Für ein starkes Einzelhandelszentrum für den Stadtteil ist das aber zu wenig.

Und das ist das Fazit von GMA: „Strukturprägende Anbieter Netto und Penny weisen erste Anzeichen von Erneuerungsbedarf auf.  Lebensmittelhandwerk in der Eißendorfer Straße: Konditorei und Fleischerei mit einem sehr guten Marktauftritt. Es fehlt ein Vollsortimenter, denn es gibt keinen funktionalen Zusammenhang mit Rewe am Kirchenhang.“
Und was folgt daraus? Es besteht Handlungsbedarf, sagen die Gutachter. Sie empfehlen, die „vorhandenen Nahversorgungsangebote im Nahversorgungszentrum Eißendorf räumlich zu konzentrieren, um ein leistungsfähiges Zentrum mit umfassendem Nahversorgungsangebot zu entwickeln. Der Bereich Eißendorfer Straße/Weusthoffstraße bietet sich hierfür besonders an“.

Schließlich werden die Gutachter ganz konkret. Sie schlagen den Bau eines Vollsortimenters auf dem Schützenplatz südlich des Eißendorfer Jugendcafés vor. In dem Zusammenhang sei auch eine Verlagerung des Rewe-Markts vom Kirchenhang zu prüfen, der allerdings gerade renoviert worden ist. Außerdem könnte der einstöckige Netto-Markt an der Weusthoffstraße durch einen Discounter im Erdgeschoss mit darüberliegenden Wohnungen ersetzt werden. Davon könnten, so die Gutachter, neue Impulse für Eißendorf ausgehen. In diesem Zusammenhang sollte auch die Anbindung der „teilweise von der Hauptlage abgewandten Discounter“ verbessert werden. Was nicht im Gutachten steht: Die Parkplätze der beiden Discounter sind in desolatem, wenig einladenden Zustand.

Das Gutachten ist in der jüngsten Sitzung des Stadtplanungsausschusses vorgestellt worden. Jetzt müssen die Bezirksabgeordnete erst einmal 149 Seiten durcharbeiten, bevor sie über das Konzept abstimmen. ag