Harburg - Der Zeitpunbt ist denkbar günstig. Mit einer kleinen, aber entscheidenden Satzungsänderung stellt sich der Wirtschaftsverein für den Hamburger Süden

breiter auf. Zukünftig sollen nicht nur Firmen, sondern auch Einzelpersonen dem Verein, der aktuell 270 Unternehmen mit rund 40.000 Arbeitsplätzen vertritt. Damit dürfte der Wirtschaftsverein noch einmal deutlich wachsen und an Einfluss gewinnen. Dass das zu einem Zeitpunkt passiert, an dem die Hamburger Handelskammer einen Weg einschlägt um seine Zwangsmitglieder von den Beiträgen zu befreien und bei dem Schritt absehbar finanziell weniger handlungsfähig werden wird, ist laut Jochen Winand, Erster Vorsitzender des Wirtschaftsvereins Zufall. „Wir haben die Satzungsänderung  zu einem Zeitpunkt vorbereitet, als die Entwicklung bei der Handelskammer nicht absehbar war“, sagt Winand.

Trotzdem wird man sich auf einen noch einmal deutlich wichtigeren Wirtschaftsverein einstellen können. Die Hamburger Handelskammer hat sich mit einem demokratischen Entscheidungsprozess selbst ein Bein gestellt. Denn die Kammer mit ihren Zwangsmitgliedern wird zu über 90 Prozent von Klein- und Kleinfirmen geprägt, die jeweils über dasselbe Stimmrecht verfügen, wie große Unternehmen. Die Folge, davon gehen Insider aus, ist, dass sich Vertreter vieler größerer Firmen aus den aktiven Bereichen der Kammer zurückziehen oder dort von Anhängern der Kammerrebellen ersetzt werden. Das würde das Gewicht der Kammer gegenüber der Politik und Verwaltung schwächen. Ebenso gehen Insider nicht davon aus, dass die Kammer bei freiwilligen Mitgliedsbeiträgen auch nur annährend über den finanziellen Rahmen verfügen wird, wie jetzt und dadurch nicht mehr in der Lage sein wird viele bisher „bearbeitete Felder“ weiter zu besetzen.

Der Wirtschaftsverein für den Hamburger Süden, der 1947 mit 42 Mitgliedern als reiner Zusammenschluss der Industrie gegründet wurde und heute die ganze Bandbreite der Wirtschaft vertritt, wird sich auf eine neue, deutlich politischere Rolle einstellen müssen. Dazu passt auch, dass die Öffentlichkeitsarbeit auf neuen Beine gestellt wurde. Sie soll deutlich offensiver werden, um die Bedürfnisse und Ziele des Verein breiter zu kommunizieren. Das hat der Wirtschaftsverein zwar auch in der Vergangenheit, beispielsweise mit der Harburg Vision 2020/2050 getan, die mittlerweile in der vierten Modifizierungsphase ist. Es dürften in Zukunft aber auch weitere, vielleicht nicht immer so „nette Themen“ auf der zu vertretenden Liste des Wirtschaftsvereins stehen. zv