Harburg – Die Schüsse am Abrigado sind bereits einige Wochen her und wie berichtet wurden zwei Tatverdächtige von der Polizei festgenommen. Trotzdem hat sich die Situation für die beiden benachbarten Schulen, die Schule am Park und die Schule Schwarzenbergstraße, bislang nicht verändert. Nach wie vor haben Schüler und Eltern Angst.
„Da die Sicherheitslage rund um Schulen und Kita aus unserer Sicht unverändert kritisch ist und bisher keine wirklich tragbare Lösung erkennbar ist, machen wir unser Anliegen auch gegenüber der Öffentlichkeit transparent“, teilte der der Elternrat der Schule am Park am heutigen Mittwoch mit.
Mit einem Offenen Brief zur Sicherheitslage am Abrigado richten sie sich an den Hamburger Bürgermeister und weitere hochrangige Politiker der Stadt.
„Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
wir wenden uns heute als Elternrat der Schule am Park an Sie. Unsere Kinder gehen täglich nur wenige Meter von der Drogenhilfeeinrichtung Abrigado entfernt zur Schule. Seit Monaten erleben wir als Familien, dass sich die Situation im direkten Umfeld unserer Schule zunehmend verschärft. Die Schüsse im Juni haben viele Eltern tief verunsichert. Seitdem beschäftigt uns vor allem eine Frage: Wie kann die Sicherheit unserer Kinder bis zum geplanten Umzug des Abrigado gewährleistet werden?“
Weiter heißt es: „Vor diesem Hintergrund möchten wir uns zunächst für die schnelle Reaktion des Senats bedanken. Die angekündigten Maßnahmen – darunter zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, die Ausweitung der Öffnungszeiten des Abrigado sowie die Finanzierung einer Videoüberwachung im Umfeld der Schule – sind wichtige und notwendige Schritte. Sie zeigen, dass die außergewöhnliche Situation erkannt wurde und kurzfristig gehandelt wird.“
Und: „Das öffentliche Dialogforum der Harburger Sicherheitskonferenz hat uns zugleich erneut vor Augen geführt, wie groß die Belastung aller Menschen vor Ort inzwischen ist. Die Ausführungen der Polizei machten zudem deutlich, wie ernst die Lage tatsächlich ist.
Es wurde einmal mehr sichtbar, dass die derzeitige Situation weit über ein gewöhnliches Nachbarschaftsproblem hinausgeht.
Umso größer ist unser Unverständnis darüber, dass die Sozialbehörde unsere zentrale Forderung, eine vorübergehende Verlagerung des Abrigado an einen alternativen Standort bis zur Fertigstellung des Neubaus zumindest ergebnisoffen zu prüfen, bislang offenbar nicht aufgegriffen hat.
Auf unsere Nachfrage wurde erklärt, eine solche Zwischenlösung würde zeitlich nicht schneller umgesetzt werden können als der endgültige Umzug. Gleichzeitig stellte die Sozialbehörde einen Zeitplan mit Baubeginn Ende 2026 und einer Bauzeit von rund 22 Monaten vor. Für unsere Kinder bedeutet dies, dass sie ihre gesamte Grundschulzeit weiterhin in einem Umfeld verbringen müssen, das bereits heute außergewöhnliche Sicherheitsprobleme aufweist.
Uns ist bewusst, dass auch eine vorübergehende Verlagerung an einen alternativen Standort rechtlichen, fachlichen und baulichen Anforderungen unterliegt. Gerade deshalb erwarten wir, dass mögliche Standorte und Umsetzungsoptionen sorgfältig geprüft werden. Wer zu dem Ergebnis kommen möchte, dass eine Interimslösung nicht umsetzbar oder nicht schneller realisierbar ist, muss zunächst geprüft haben, ob und unter welchen Voraussetzungen sie überhaupt möglich wäre. Nach unserem Eindruck ist genau diese Prüfung bislang nicht erfolgt. Darin liegt unsere eigentliche Kritik.
Kinder haben das Recht, ihren Schulweg und ihren Schulalltag in einer möglichst sicheren Umgebung verbringen zu können. Der Staat trägt ihnen gegenüber eine besondere Schutzverantwortung. Gerade deshalb können wir nicht nachvollziehen, dass eine mögliche vorübergehende Standortverlagerung offenbar nicht einmal ernsthaft geprüft wurde.
Als Eltern möchten wir ausdrücklich betonen: Die Drogenhilfe leistet wichtige und unverzichtbare Arbeit. Unser Anliegen richtet sich weder gegen suchtkranke Menschen noch gegen die Beschäftigten des Abrigado. Hilfe für suchtkranke Menschen und der Schutz von Kindern sind gleichermaßen staatliche Aufgaben. Beides muss gleichzeitig möglich sein und darf nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Wir bitten Sie deshalb, sich persönlich dafür einzusetzen, dass die Sozialbehörde die Prüfung einer vorübergehenden Verlagerung des Abrigado an einen alternativen Standort unverzüglich nachholt. Die angekündigten Sicherheitsmaßnahmen sind ein wichtiges Signal. Sie können jedoch keine strukturelle Lösung für einen Zeitraum von mehreren Jahren ersetzen.
Wir erwarten eine Stellungnahme des Senats zu der Frage, weshalb eine vorübergehende Verlagerung an einen alternativen Standort bislang nicht geprüft wurde und ob eine solche Prüfung nun kurzfristig eingeleitet wird. Als Eltern der Schule am Park tragen wir jeden Tag Verantwortung für unsere Kinder. Wir erwarten, dass auch der Senat seiner besonderen Schutzpflicht gegenüber Kindern gerecht wird und alle realistischen Möglichkeiten ausschöpft, um ihre Sicherheit während der mehrjährigen Übergangszeit bis zum geplanten Neubau bestmöglich zu gewährleisten.
Wir danken Ihnen für die Aufmerksamkeit, die Sie unserem Anliegen widmen, und hoffen auf Ihre Unterstützung bei der Suche nach einer Lösung, die sowohl den Bedürfnissen suchtkranker Menschen als auch der staatlichen Schutzverantwortung gegenüber unseren Kindern gerecht wird.
Mit freundlichen Grüßen
Der Elternrat der Schule am Park“

