Harburg - Ukraine-Krieg, Inflation, Gasknappheit und Energiepreise - Krisen und Probleme, die uns täglich begegnen und beschäftigen, uns wütend machen und auch verzweifeln lassen. Es betrifft jeden. Fast. Denn Menschen ohne Obdach können sich weder etwas kaufen noch die Heizung an- oder niedriger drehen oder Licht anschalten. Sie haben schlichtweg nichts.

Nicht mal eine Unterkunft, die Schutz vor Kälte, schneidendem Wind oder durchdringender Kälte bietet. Direkt vor unseren Augen, vor unseren Füßen, kämpfen sie im kommenden Winter wieder einmal um ihr Leben. Um nicht mehr und nicht weniger. Denn auch, wenn es derzeit noch viel zu warm für den eigentlich so düsteren November ist, die Kälte des Winters kommt bestimmt. Zusammen mit Nässe und Dunkelheit – und eben manchmal auch mit dem Tod.

So stellt die bevorstehende kalte Jahreszeit Obdachlose vor die größte Herausforderung: den Kampf ums Überleben. Wie das Magazin Hinz & Kunzt unter Berufung auf das Rechtsmedizinische Institut am UKE berichtete, starben in Hamburg allein im Zeitraum November 2021 bis Mai diesen Jahres 21 obdachlose Menschen im öffentlichen Raum. 11 weitere in Hamburger Krankenhäusern. Todesursachen: akute oder chronische Lungenentzündung, Herzerkrankungen und Infektionskrankheiten.  Schätzungsweise gibt es rund 150 Menschen ohne Obdach in Harburg.  

Ein Lichtblick ist da das Harburg-Huus des DRK-Kreisverbandes Harburg. Unter der engagierten Schirmherrschaft des Topmanagers und ehemaligen Vorstandvorsitzenden der Deutschen Bahn, Prof. Dr. Rüdiger Grube, bieten die dortigen Mitarbeitenden Obdachlosen an sieben Tagen in der Woche eine Anlaufstelle inklusive Übernachtungsmöglichkeit.

Die 15 Übernachtungsplätze – fünf davon mit Hund - sind immer ausgebucht. Bis zu 50 Anfragen für einen Übernachtungsplatz gibt es täglich. „Durch die allgemeine Krise stieg auch die Zahl derjenigen an, die zum Essen, Duschen oder Wäschewaschen herkommen an“, sagt Rosa Schlottau, die neue Leiterin des Harburg Huus. Groß ist auch die Nachfrage nach warmen Schlafsäcken, für die Menschen, die jetzt in der Kälte draußen leben müssen.

Noch immer ist das DRK-Harburg auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten. Der jetzige Standort am Außenmühlenweg steht vermutlich nur noch bis Ende nächsten Jahres zur Verfügung. Mindestens 300 Quadratmeter Fläche soll der neue Standort haben. „Gerne auch mehr, dann bestünde die Möglichkeit mehr Plätze für Obdachlose zu schaffen“, sagt Thorben Goebel-Hansen. Bis zu 35 Plätze wären dann denkbar. Gesucht wird eine Immobilie, die zudem innerhalb von 10 Gehminuten vom Harburger Bahnhof zu erreichen ist.

Schirmherr Rüdiger Grube, der am Donnerstag dem Harburg-Huus einen Besuch abstattete, gibt sich optimistisch: „Auch für dieses Problem werden wir 100-Prozentig eine Lösung finden“, ist sich Grube sicher.

Ein weiteres Problem, gerade in der bevorstehenden kalten Jahreszeit ist die sinkende Spendenbereitschaft, die in der Corona-Krise nachgelassen hat. Doch die Spenden sind dringend notwendig, denn das Harburg-Huus ist komplett Spenden-Finanziert. 350.000 Euro müssen pro Jahr aufgebracht werden.  Weitere Informationen und Kontakt zum Harburg-Huus gibt es mit einem Klick hier.    (cb)

Mit einer Überweisung auf das Spendenkonto kann direkt geholfen werden:

Hamburger Sparkasse
IBAN: DE77 2005 0550 1262 2275 39
BIC: HASPDEHHXXX
Kennwort: Obdachlosenhilfe