Kommentar - Eine S-Bahn ist, bei allen technischen Möglichkeiten, ein fragiles Verkehrssystem. Störungen haben sofort fatale Auswirkungen. Es muss nicht immer gleich ein Lasterbrand unter einer Brücke sein, der gleich für mehrere Wochen für starke Beeinträchtigungen sorgt. Störungen in Signalanlagen oder an Weichen, Kleinfeuer meistens durch defekte Bremsen im Gleisbett, Kabelklau durch Kupferdiebe oder auch Selbstmörder, die sich vor einen Zug schmeißen, sorgen immer wieder und wie S-Bahnfahrer aus Harburg wissen, gar nicht so selten zu Unterbrechungen.

Ist die Linie, wie die der S3 und S31 dann noch alternativlos, ist das Chaos vorprogrammiert. Die Züge, die in den Spitzenzeiten im 5-Minuten-Takt fahren, befördern einfach zu viele Menschen. Ersatzverkehre durch Busse oder Taxen sind gut gemeint, für den Einzelnen, der mit kommt, hilfreich, aber im Gesamtbild eben nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Abhilfe auf dem Schienenweg, der bei solchen Anlässen gern von der Politik ins Spiel gebracht wird, ist in dem Zusammenhang einfach nur Quatsch. Natürlich ist es wünschenswert, wenn die U4 weiter bis Harburg gebaut würde oder eine neue Linie, die von Altona unter der Elbe durch  über Waltershof, Moorburg und Hausbruch nach Bostelbek führt tatsächlich realisiert wird, um auch im Süden der Stadt einen S-Bahnring zu haben.

Den Menschen, die jetzt, in den nächsten Jahren und wohl auch Jahrzehnten die S-Bahn nutzen, wird das nichts nützen. Es sind Pläne, die, selbst wenn sie bald in die Umsetzung gehen, eher etwas für die kommenden Generationen sind. Zu komplex sind die Planungen, zu schwierig die Eigentumsverhältnisse der dafür nötigen Flächen und zu unkalkulierbar die üblichen Hindernisse bei größeren Bauvorhaben, wie seltene Tiere und Pflanzen oder das Heer von Besserwissern und Spontanexperten, die anfangen Projekte zu zerreden und dabei von politisch interessierten Kreisen Unterstützung bekommen. Am Ende muss auch das Geld da sein, um solche Pläne zu realisieren.

Ich frage mich, was passiert wäre, wenn der Lasterbrand unter der Brücke nicht im Sommer bei gutem Wetter, sondern im Winter bei schlechtem, naßkalten Wetter passiert wäre, wenn das Fahrrad keine Option für die meisten Menschen ist und gleichzeitig die Verkehrswende die Autofahrer zu der weitgehend ausgestorbenen Art der Verkehrsteilnehmer gemacht hätte. Das Chaos wäre, da bin ich mir sicher, deutlich größer gewesen.

Eine über Jahrhunderte gewachsene Stadt ist eben kein chinesisches Neubaugebiet vom Reißbrett, in dem man alles nach den Bedürfnissen des Hier und Jetzt planen kann. Entsprechend schwierig sind Neuausrichtungen. Auch beim Verkehr. Das heißt nicht, dass es nicht geht. Es braucht aber eben seine, in dem Fall lange Zeit.

Eine Lösung für das aktuelle Problem sehe ich nicht. Die Verantwortlichen legen sich schon ins Zeug. Manchmal geht eben nicht mehr. Was ich aber sehe ist, dass Hamburg eine Stadt ist, in der man sich Gedanken darüber machen sollte, wie man die verschiedenen Verkehre miteinander gut klarkommen lässt. Dazu gehört auch das Auto. Gleichzeitig sollte die Art der Mobilität nicht zum Statussymbol werden. Nur auf ein Pferd zu setzen ist eben nicht gut. Das ist am Ende genauso wie beim Gas. André Zand-Vakili

Kommentar zum Kommentar: Hier Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!