Harburg - Am Sonnabend vor 20 Jahren entsetzten die Anschläge vom 11. September viele Menschen auf der ganzen Welt. Am Tag danach geriet Harburg in den Focus der Weltöffentlichkeit. Hier hatten die Terroristen gelebt. An der Adresse Marienstraße 54 hatte der als Kopf der Terrorzelle geltende Mohammed Atta mit einigen seiner 18 Komplizen gelebt, die koordiniert vier Flugzeuge entführten.

Zwei der Passagiermaschinen wurden in die Türme des World Trade Centers, eines in das Pentagon, dem Verteidigungsministerium der USA gesteuert. Die vierte Maschine zerschellte abseits ihre Ziels in einem Feld in Pennsylvania, als Passagiere versuchten die Entführer zu überwältigen und die Maschine unter ihre Kontrolle zu bringen.

Die ARD zeigt heute um 22:15 Uhr eine Dokumentation, bei der damalige Protagonisten ihre Erlebnisse schildern. Neben mehreren leitenden Beamten der Hamburger Polizei und anderen mehr oder minder Beteiligten ist auch ein Mitarbeiter von harburg-aktuell dabei. Es ist eine besonders aufwendig produzierte Dokumentation, für die unter anderem bereits im Dezember vergangenen Jahres in der Bruzzelhütte an der Bremer Straße gedreht wurde.

In Berlin trafen die an der Dokumentation Beteiligten vor wenigen Tagen bei einer Vorpremiere des Films im Kino "Babylon" zusammen. Unter anderem war auch der damalige Geheimdienstkoordinator der Bundesregierung und ehemalige Hamburger Polizeipräsident Ernst Uhrlau dabei.

Zum 20. Jahrestag der Anschläge gibt es viele Berichte oder Veranstaltungen, die an die Terroranschläge erinnern. In den USA wehen an diesem Tag alle Flaggen auf Halbmast. In Hamburg wurden am Freitagmorgen vor dem US-Generalkonsulat an der Alster Gedenktafeln in englischer und deutscher Sprache enthüllt. In Harburg selbst wird es keine offizielle Gedenk- oder Informationsveranstaltung im Zusammenhang mit den Anschlägen geben, die 2977 Opfern das Leben kosteten. Die Verwaltung teilte auf Anfrage von harburg-aktuell mit, dass nichts dergleichen geplant sei.

In Harburg wird die Tat und die unverschuldete, aber faktisch vorhandene Beteiligung weitgehend verdrängt. Der als Terrorhelfer wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und der Beihilfe zum Mord in 246 Fällen verurteilte Marokkaner Mounir al-Motassadeq lebte nahezu unbehelligt in Harburg. Der Mann, der wie einige Mitglieder der Terrorzelle Student an der Technischen Universität in Harburg war, war 2004 unter Auflagen freigelassen worden.

In Harburg wohnte er danach an der Goeschenstraße nahe der ehemaligen Feuerwache am Hastedtplatz, die damals zum Helmsmuseum gehörte und in der sich im Turm der BND einquartiert hatte, um die Wohnung von Motassadeq zu beobachten. In seinem Umfeld war der Terrorhelfer ein gefragter Mann, der oft im Mittelpunkt stand. So bildeten sich regelmäßg kleine Menschentrauben um ihn, wenn er in Harburg unterwegs war, wie auf dem Foto vom 3. September 2004, das an der Schwarzenbergstraße Ecke Harburger Ring aufgenommen wurde.

Der damalige Geheimdienstkoordinator Ernst Uhrlau sagt in der ARD-Dokumentation "Blame", übersetzt "Schande". Er setzt es in dem Fall in Zusammenhang mit dem Versagen der deutschen Geheimdienste, die die Gefahr trotz vieler Hinweise und Indizien, die nicht zusammengeführt worden waren, nicht erkannten. Es passt auch an anderer Stelle. dl