Keifer

Harburg - Erst dachte man, es seinen Überreste von Mordopfern. Jetzt ist es ein Sensationsfund. Am Montag kam der bei Drage an der Elbe gefundene Kieferknochen im Archäologischen Museum Hamburg an der Knoopstraße an.

"Die C14-Datierung hat ergeben, dass er 2800 Jahre alt ist", sagt Museumsdirektor Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss. Das macht den Kieferknochen besonders - nein einzigartig. "In der Bronzezeit war es üblich, das die Toten auf Scheiterhaufen verbrannt und in Urnen beigesetzt wurden", so Weiss. Deshalb gibt es, wenn überhaupt, nur verkohlte menschliche Überreste aus der Zeit.

"Der Kiefer ist tatsächlich der einzige erhaltene menschliche Knochen aus der Bronzezeit, der in Hamburg oder dem Landkreis Harburg gefunden wurde", so Weiss. Er ist auch der einzige menschliche Knochen aus dieser Zeit, den das Museum besitzt.

Jetzt kommt das seltene Stück in das Depot, in dem bereits rund 2,5 Millionen andere Exponate der Archäologie liegen. Sollte es eine Ausstellung zum Thema Bronzezeit geben, wird er ganz sicher ausgestellt.

Nach dem Fund des Knochens im März war die Polizei zunächst davon ausgegangen worden, dass es sich um sterbliche Überreste von Sylvia Schulze oder ihrer Tochter Miriam handelt. Mutter und Tochter werden vermisst, seit sich Marco Schulze, der Ehemann und Vater der beiden, umgebracht hat. Die Polizei geht davon aus, dass er vor seinem Suizid seine Familien auslöschte. Mutter und Tochter sind bis heute nicht gefunden.

Zunächst hatte eine DNA-Analyse ergeben, dass der Knochen nicht von den Vermissten stammt. Eine spezielle Untersuchung ergab dann, dass der Knochen 2800 Jahre alt und damit nicht ein Fall für die Asservatenkammer, sondern für das Museum ist. zv