Wilstorf – Eingeklemmt zwischen Hohe Straße, Stadtautobahn und einer großen Kreuzung

liegt ein Sammelsurium von älteren, wenig ansehnlichen Industriebauten, die soziale Einrichtungen, eine Lasertag-Arena und einen Penny-Discounter beherbergen. Aus Sicht der Stadtplaner ist das ein untergenutztes städtisches Quartier, das dringend „revitalisiert und neu geordnet“ werden muss. Den rechtlichen Rahmen dafür soll der Bebauungsplan Wilstorf 43 liefern, noch gibt es aber Klärungsbedarf.

Knackpunkt ist und bleibt vorerst auch die Zukunft des „Harburg Huus“, der Tagesstätte und Unterkunft für Obdachlose – betrieben vom DRK-Kreisverband Harburg. Noch ist das „Huus“ in einem maroden Backsteinbau am Rand des Areals untergebracht, Projektentwickler Urban Space Immobilien hat ihm neue Räume angeboten, ein Mietvertrag und eine Einigung über die Kostenübernahme für den Umzug sind bis heute nicht zustande gekommen.

Nach Angaben von Urban Space-Geschäftsführer Andre Schmidt soll es aber „schon in der kommenden Woche“ einen Gesprächstermin mit DRK-Kreisgeschäftsführer Harald Krüger geben. Das half ihm in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses wenig. Dieser weigerte sich, dem weiteren Fortsetzung des Bebauungsplanverfahrens zuzustimmen. „Ohne Einigung über den Fortbestand des Harburg Huus an diesem Standort wird es den Plan Wilstorf 43 nicht geben“, sagte Frank Wiesner von der SPD. Da seien sich alle Fraktionen einigen.

Wegen der Covid-19-Pandemie war die – eigentlich vorgeschriebene – öffentliche Plandiskussion abgesagt worden. Statt dessen konnte der Planentwurf im Bezirksamt eingesehen worden. Und es gab die Möglichkeit, schriftlich Kritik an dem Plan zu äußern.

Das Planungsbüro Evers & Küssner hat die Stellungnahmen ausgewertet. Die größte Sorge bereitet den Anwohnern offenbar eine mögliche Verschattung ihrer Wohnungen. Die alten Industriebauten sollen abgerissen werden und durch drei Gebäudeblöcke mit überwiegend Wohnnutzung ersetzt werden. Diese Blöcke sollen aber mindestens fünf Geschosse plus einem Staffelgeschoss aufweisen, im Bereich der jetzigen Lasertag-Arena sogar acht Geschosse.

Eine Anwohnerin aus der Hohen Straße fürchtet nun, ein Leben im Schatten zu verbringen.  Sie wohnt vis-à-vis. Planer Ulf Küssner versuchte sie zu beruhigen: „Sie werden genug Licht haben.“ Er fügte hinzu, dass sich das nach „DIN soundso“ richte, die Nummer fiel ihm gerade nicht ein. Wahrscheinlich wird die DIN den Planern Rechtssicherheit geben, der Anwohnerin bleibt wohl eher der Schatten.

Der Schatten ist nicht ihre einzige Sorge. Wenn der Bebauungsplan im ersten Quartal 2022 endgültig beschlossen wird und mit dem Bau begonnen werden kann, wird der Penny-Markt geschlossen. Er soll später dann in den Neubau ziehen, für die Bauzeit gibt es aber keinen Ersatz. Die Anwohnerin: „Das ist eine Katastrophe! Für uns ist es der einzige fußläufige Nahversorger.“ ag