Harburg – Millimeterarbeit im Binnenhafen: Am Lotsekai wurde am Montag Nachmittag ein Stück Eisenbahn-Geschichte auf das Gleis

am Wasser gesetzt: Der Flachwaggon – heute per Mobilkran vom Tieflader aufs Gleis gesetzt - füllt die Lücke am Lotsekai und wird in das maritime Kulturgut des Vereins Museumshafen Harburg aufgenommen. Auf den Tag genau 30 Jahre nach Toresschluss des Harburger Eisenbahn-Ausbesserungswerkes ist so ein wichtiger Teil der Bahnhistorie wieder greifbar.

Er wird aufgearbeitet und dient als Träger für die dicken Dinger: Container und Kran-Greifer. Der Flachwaggon: „Alleskönner“ der Bahn Der Flachwaggon Modell Klms440, wurde am Montag angeliefert und per Mobilkran am Lotsekai im Harburger Binnenhafen aufgestellt. 12,1 Meter  lang, 10,3 Tonnen Eigengewicht, 28,4 Quadratmeter  Ladefläche, mit Bremser-Plattform. Baujahr 1938-1943.

Der Waggon wurde zu Beginn des 2. Weltkriegs gebaut, eingerichtet für den Transport von Truppenfahrzeugen und Panzern. Erreicht wurde dies durch umklappbare Ladebordwände, die an beiden Enden auf die Puffer klappten und so eine Durchfahrt der Fahrzeuge der Länge nach über die verbundenen Waggons ermöglichten.

„Dieser Flachwaggon lief nach dem Krieg, ausgerüstet mit Rungen, jahrzehntelang bei den Haindl Papierwerken Duisburg-Walsum, bevor er 1988 im Verein „Historischer Schienenverkehr Wesel e.V.“ eine Bleibe fand. Von dort kam er jetzt auf dem Straßenweg nach Hamburg, ist doch seine Zulassung für den Schienentransport längst abgelaufen“, erklärt Gorch von Blomberg, der die Aktion mit einigen Helfern für den Museumsverein durchführte.

Der Flachwaggon wird am Lotsekai auf einem verbliebenen Stück Schiene am gelben Kulturkran stehen, das nicht mehr mit dem heutigen Schienennetz der Bahn verbunden ist und dem Verein vom Nachbarn, der Baufirma Aug. Prien zur Verfügung gestellt wurde. Der Zustand des Waggons ist: Rostig. Der Holzfußboden fehlt und muss erneuert werden, die Ladebordwände vorne und hinten müssen gängig gemacht werden. Ziel ist, dass der Waggon – wie die anderen – in seinem sichtbar gebrauchten Zustand konserviert wird und für seine zukünftige Funktion im Ensemble fitgemacht wird.

 Er wird ja nicht mehr rollen, sondern zur Hälfte als Abstellort eines Lagercontainers für Kran-Utensilien dienen. Auf der Freifläche wird der Greifer des Liebherr-Krans abgestellt – und: Wer weiß, vielleicht wird dort einmal Schüttgut verladen im Rahmen von Vorführungen des Lade- und Löschvorganges mit Kran-Betrieb.

Wer die Aktiven der Kranwerkstatt im Verein unterstützen möchte – durch Mitanpacken bei der Technik, bei den Veranstaltungen oder dem „Drumrum“ (Recherche, Dokumentation, Archiv, Kommunikation), ist herzlich eingeladen, mitzumachen. Egal ob mit Eisenbahn-Vergangenheit oder einfach nur -begeisterung. Man sieht sich dann beim „Hafenarbeitstag“ am 3. Samstag im Monat, wo man auf dem Wasser und an Land gemeinschaftlich aktiv ist. Neueinsteiger herzlich willkommen.  (cb)

Der Zehn-Tonnen-Waggon wird mit dem Kran vom Lkw auf sein Gleis gehoben. Foto: Christian Bittcher