Harburg – Er ist nicht gerade der schönste Kirchturm Harburgs, dafür aber der bekannteste.

Er steht mittendrin, am Ende der Bremer Straße, direkt neben dem Eingang zum Alten Friedhof. Doch nun droht dem 40 Meter hohen Turm der St.- Johannis-Kirche der Abriss. Die Kirchengemeinde kann sich seinen Erhalt nicht mehr leisten und hat einen Abrissantrag gestellt. Und tatsächlich hat das Bezirksamt den Abriss genehmigt. Das hat Baudezernent Hans Christian Lied in der jüngsten  Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses bestätigt.

Dass der Turm marode ist, lässt sich von unten mit bloßem Auge erkennen. Der Spannbeton bröckelt, an einigen Stellen ist die Verglasung gesprungen und auch das Kupferdach müsste ausgebessert werden. Über die Kosten einer Sanierung wird nun gestritten. Andreas Harriefeld, Architekt vom Kirchenkreis Hamburg-Ost, beziffert sie auf mindestens 1,4 Millionen Euro. Vor einigen Monaten gab es noch günstigere Schätzungen, aber Harriefeld hat sich den 1954 fertiggestellten und geweihten Turm noch einmal genauer angesehen, eine neue Rechnung aufgestellt und die Sanierung erst einmal gestoppt.

Klar ist, dass sich die St-Trinitatis-Kirchengemeinde, die seit Anfang des Jahres Teil der Kirchengemeinde Harburg-Mitte ist, nur noch wenig leisten kann. Sie hat ganz nebenbei auch noch die Dreifaltigkeitskirche an der Backe, für deren Zukunft immer noch keine wirtschaftlich akzeptable Perspektive gefunden worden ist.

Nach der neuen Kostenschätzung hat die Gemeinde den Abriss beantragt – und das Bezirksamt „musste das genehmigen“, sagt der Baudezernent. Dabei steht der Turm unter der Identifikationsnummer 27523 in der Hamburger Denkmalliste.

Allerdings: Wenn der Erhalt so eines Baudenkmals „wirtschaftlich nicht darstellbar ist“,  nützt der Schutz nicht viel. Deshalb geht es in diesem Fall vor allem über die Höhe der Sanierungskosten. Nicht ganz überraschend glauben die Experten vom Hamburger Denkmalschutzamt, die Sanierung wäre auch günstiger zu bekommen. Allerdings: „Der Abrissantrag hat uns kalt erwischt“,  gestand Amtsleiterin Dr. Anna Joss, die in die Sitzung „wegen Corona aus Hygienegründen“ per Handy zugeschaltet wurde.  Wie es weitergeht, blieb in dieser Sitzung offen. Klar ist nur: Die Kirchengemeinde wird die Sanierung nicht bezahlen können.