Harburg - Der Jahrhunderte alte Jüdische Friedhof auf dem Schwarzenberg wird eingezäunt.

Eine enstprechende Empfehlung der Sicherheitskonferenz soll umgesetzt werden. Die Weichen waren bereits im vergangenen Jahr gestellt worden, nachdem die Zustände auf dem knapp zwei Hektar großen Friedhof öffentlich wurden. Die Anlage, die unmittelbarer Nähe zu der Drogenhilfeeinrichtung "Abrigado" liegt, war zu einem Drogenkonsumplatz, mit allen Begleiterscheinungen, verkommen. Die Einzäunung entstand vor allem auf Druck des Landesrabbiner Shlomo Bistritzky, der schon vor einem Jahr einen solchen Zaun forderte.

Jetzt soll offenbar der Eindruck erweckt werden, der Zaun sei eine Art "antifaschistischer Schutzwall". In der Bild-Zeitung wird Harburgs Verwaltungschefin Sophie Fredenhagen im Zusammenhang mit dem Zaun-Plan zitiert: "Es besteht die Sorge, dass die Gedenkstätte von Rechtsextremen geschändet werden könnte."

Insider sind irritiert. In dem Protokoll der Sitzung Leitungsgruppe der Sicherheitskonferenz Harburg vom 18. September 2019, wo bereits die Entscheidung für den Zaun festgezurrt wurde, liest sich die anders. Dort wird in einem offensichtlichen Kontext zu den vorangegangenen Berichten über die dortige Drogenszene die Situation Problem dargestellt, bei dem es um Sauberkeit geht. Das Bezirksamt lobt sich laut Protokoll selbst so: "Wenn etwas liegt, liegt es nicht lange". Dennoch gäbe es "Störungen", die abgestellt werden müssten. Der Wunsch nach einem Zaun, kam laut Protokoll vom Landerabiner. Die Beteiligten der Sicherheitskonferenz, vor allem Abgesandte der Fraktionen der Bezirksversammlung, fänden eine Abzäunung "schade".

Auch unter dem Punkt "Umgang mit der Problematik" sind Rechtsradikale kein Thema. Stattdessen heißt es, dass es den "Versuch" gibt "Drogenkonsumenten vom Friedhof fern zu halten". Laut Protokoll gab es keine Fragen an die Polizei oder Stellungnahme des bei der Sitzung anwesenden Leiters der Wache Harburg.

Eine Anfrage von harburg-aktuell, in der unter anderem zu Vorfällen mit rechtsextremen Bezug auf dem Jüdischen Friedhof auf dem Schwarzenberg gefragt wurde, blieb bislang vom Bezirksamt unbeantwortet. Aus Kreisen der Sicherheitsbehörden hieß es, das in den letzten Jahren auf dem Friedhof eine Sachbeschädigung gegeben haben. Dabei handelte es sich um einen Metalldiebstahl.

"Mit der Aussage, dass man mit dem Zaun den Friedhof vor Rechtsardikalen schützen will, möchte die Bezirksamtsleiterin wohl das Abrigado aus der Schusslinie nehmen", heißt es aus der Politik. Die Einrichtung, neben dem Drob Inn am Hauptbahnhof eine von zwei dieser Art in ganz Hamburg, platzt wegen der hohen Anziehungskraft auch weit über die Grenzen des Bezirks hinaus, aus allen Nähten.

Mit den Begleiterscheinungen hat die Polizei seit Jahren zu kämpfen. Immer wieder gab es Schwerpunkteinsätze und Festnahmen. Selbst die Mordkommission musste für eine Todesermittlung, die zunächst wegen ihrer ungewöhnlichen Umstände als Tötungsdelikt eingestuft wurde, auf dem Friedhof anrücken. Den Anliegern scheinen die Zustände wenig auszumachen. Laut Protokoll sind die Anwohner in der Umgebung "aktiv" nach ihrem "subjektiven" Befinden befragt worden. Danach fühlten sie sich "offenbar nicht bedroht".

Bereits vor einem Jahr, auch das verrät das Protokoll, hat Harburgs Verwaltungschefin zugesagt, den Wünschen der Jüdischen Gemeinde nach einer neuen Umzäunung zu entsprechen. Der Plan ist nicht unumstritten. Zwar können Süchtige im "Abrigado" unter Aufsicht ihre selbst mitgebrachten Drogen konsumieren. Da die Einrichtung aber deutlich überfrequentiert ist und gerade bei gutem Wetter ganz offensichtlich zahlreiche Süchtige das angebot nicht nutzen, gibt es  Befürchtungen. "Ein Einzäunung des Geländes wird dafür sorgen, dass sich die Personen, die dort Drogen konsumierten, sich andere Plätze in der Umgebung zum Drogenkonsum suchen", heißt es.

Der Jüdische Friedhof stammt aus dem 17. Jahrhundert und war der der Begräbnisplatz der Synagogengemeinde Harburg-Wilhelmsburg. Bis 1935 fanden dort Beisetzungen statt. Während der Nazi-Herrschaft wurden der Friedhof geschändet und das Totenhaus zerstört. Erhalten blieb der Gedenkstein für die deutschen Soldaten jüdischen Glaubens aus der Harburger Gemeinde, die im Ersten Weltkrieg gefallen waren.

Bereits 1813, während der napoleonischen Besetzung, wurden von den Franzosen Teile des Jüdischen Friedhofs durch Schanzarbeiten zerstört. Vor allem die älteren Gräber fielen damals den Arbeiten zum Opfer. zv