Harburg - Das Stadtmuseum Harburg präsentiert am Dienstag, 25. August um 18 Uhr einen neuen Vortrag in der Reihe „Schaufenster der

Geschichte“. Diesmal dreht sich alles um Kunststoff: Vor über 150 Jahren begann in Harburg die Verarbeitung von Kautschuk zu Hart- und Weichgummiprodukten - dies war der Ausgangspunkt für einschneidende Veränderungen im gesamten Stadtbild. Mit den ersten Gummifabriken wurde Harburg zum Industriestandort und veränderte sein Gesicht in wenigen Jahrzehnten vollständig.

Dr. Jürgen Ellermeyer hat die Regionalgeschichte des revolutionären Werkstoffs Gummi und seiner Verarbeitung jahrelang praxisnah erforscht. In seinem Vortrag wird er über die faszinierend vielfältige Welt des Gummis und den engen Zusammenhang von industrieller, sozialer und städtebaulicher Entwicklung in Harburg berichten.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte Harburg einen kompletten Strukturwandel von einer ländlichen Kleinstadt zur Industrie-, Hafen- und Arbeiterstadt. Der Hafenausbau, die Ansiedlung von Industriebetrieben und das Entstehen der dazu gehörigen Arbeitersiedlungen ließen Harburg in kurzer Zeit zu einer Großstadt werden und gaben der ehemals von kleinteiliger Fachwerkarchitektur geprägten Stadt ein völlig neues Gesicht.

Mit dem Beginn der Industrialisierung kam es zu einer Ansiedlung von Industriebetrieben, von denen einige noch heute bestehen. So etwa die New York-Hamburger Gummiwaren Fabrik, die Phoenix, die Ölfabrik Noblee & Thörl oder die Maschinenfabrik Harburg-Freudenberger. Im Zentrum des Interesses stand damals die industrielle Kautschukverarbeitung, die zur Produktion von hartem und weichem Gummi und schließlich auch zu moderneren Kunststoffen führte.

Im historischen Fabrikgebäude der alten Kammfabrik der Firma Hercules Sägemann entstanden zum Beispiel unter dem Dach der New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie AG seit 1856 aus dem Rohstoff Kautschuk wahre Meisterstücke der Frisierkunst: Kämme aus Ebonit. Die Fabrikationspalette Harburger Betriebe reichte von Schuhen über Reifen bis hin zum weltweiten Export von Maschinen.

Die sich ansiedelnden Industriebetriebe zogen Heerscharen von Arbeitern und Arbeiterinnen an und die Einwohnerzahl Harburgs wuchs zwischen 1850 und 1910 um das zehnfache von rund 6.000 Einwohnern auf über 60.000.

Von der Mitte des 19. bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte Harburg mit der Ansiedlung von Industriebetrieben aber nicht nur ein rasantes Wachstum, sondern auch gravierende Veränderungen in der städtischen Struktur. Nur wenig im heutigen Stadtbild erinnert noch an dieses Harburg - manche Gebäude sind schon verschwunden, anderen droht der Abriss. Aktuell befindet sich Harburg in einer neuen Phase der Umstrukturierung.

Mit großen Anstrengungen befreit sich der südlich der Elbe liegende größte Bezirk Hamburgs von seinem Image als „schmuddelige Industriestadt“ und entwickelt sich zu einem Vorzeigebezirk mit hoher Lebensqualität.

Der Vortrag findet im Theatersaal des Archäologischen Museums Hamburg am Museumsplatz 2 statt. Der Eintritt kostet vier Euro, ermäßigt drei Euro.   (cb)