Jojo

Tresenschnack - Wenn der Vormittag mit den Worten: „Schatz, ich habe Fieber und mir geht es hundeelend““, beginnt,

dann ist das in heutigen Zeiten der denkbar ungünstigste Start in den Tag. Hustend und schwitzend berichtet mir meine Verlobte von ihren Symptomen. Okay – Hausarzt anrufen. Es ist Donnerstagvormittag und die Rezeption eigentlich ganz normal besetzt. Besetzt ist nur die Telefonleitung. Einige Anrufe später meldet sich ein Band mit der Ansage, ich solle mich am Mittag melden. Eine lange Zeit bis dahin. Also wähle ich die von den Behörden angegebene Hotline „116-117“.
Nachdem ich mich durch die Einleitung mit Tasteneingabe für unsere Postleitzahl gequält habe, lande ich in der Hamburger Hotline der Kassenärzte – und werde gebeten später anzurufen. Die Leitungen sind hoffnungslos überlastet. Zehn Versuche später gebe ich auf.

Ich wähle eine Nummer, die die Stadt Hamburg eingerichtet hat. Hier geht ein junger Mann ans Telefon, liest von einem Skript ab, was denn alles sein könne. So schlau war ich vorher auch. Er gibt mir den Tipp, den Hausarzt oder die „116-117“ zu kontaktieren …

Am Mittag erreiche ich endlich den Hausarzt. Nachdem wir die Symptome schildern, schreibt er meine Verlobte telefonisch für die nächsten 14 Tage krank. „Das klingt nicht gut, wir müssen das beobachten. Sie bleiben am besten alle zuhause“, erklärt er am Telefon. Einen Test auf Corona schlägt er nicht vor. Dafür fährt er fort: „Für die Krankschreibung brauche ich die Krankenkassenkarte ihrer Verlobten…“ Ich bin sprachlos. „Fragen sie einfach Freunde oder Nachbarn, ob die die Karte bei uns vorbeibringen“, erklärt er mir. Der Quartalswechsel stehe an, meine Verlobte war dieses Jahr noch nicht beim Arzt…

Wir haben es letztendlich geschafft, die Karte beim Hausarzt abzugeben und eine Krankschreibung zu bekommen – Freunde oder gar Nachbarn wollten wir mit dieser Aufgabe allerdings nicht belästigen. Grade dann, wenn man nicht weiß, ob man eventuell doch keine gewöhnliche Erkältung hat.

Berichten wir aber Freunden von dem Fall, wiederholen sich die Fragen. Wieso bekommt ihr keinen Test, wie kann es angehen, dass der Arzt die Karte braucht? Wir wissen es nicht. Nur eines wissen wir: Das Fieber meiner Verlobten ist abgeklungen. Und dennoch bleiben wir vorsichtshalber die nächsten zwei Wochen zuhause. jojo