Stroh aus der Steckdose: Dr. Asli Isci Yakan forscht an der TUHH
Dr. Asli Isci Yakan forscht an der TUHH. Foto: TUHH

Stroh aus der Steckdose: Dr. Asli Isci Yakan forscht an der TUHH

Harburg - Seit Februar arbeitet Dr. Asli Isci Yakan im Rahmen ihres Georg Forster-Forschungsstipendiums für erfahrene Wissenschaftler der Alexander von

Humboldt Stiftung an der Technischen Universität Hamburg (TUHH). Am Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft unter der Leitung von TUHH-Professor Martin Kaltschmitt forscht die Wissenschaftlerin für eineinhalb Jahre an einer nachhaltigen und umweltfreundlichen Alternative für fossile Brennstoffe. Ihr Ziel ist dabei die nutzbringende Verwertung von Weizenstroh, das häufig als Abfallprodukt in der Landwirtschaft anfällt.

Mit einem Verbrauch von circa 443 Millionen Tonnen Erdöl, Kohle und Erdgas im Jahr 2018 bezieht Deutschland rund 79 Prozent seines Primärenergieverbrauchs durch fossile Brennstoffe. „Das stellt nicht nur ein erhebliches Umweltproblem dar, sondern führt auch zu einer wirtschaftlichen Abhängigkeit“, erklärt Dr. Isci Yakan die Ausgangslage ihrer wissenschaftlichen Arbeit.

Gleichzeitig erwirtschaftet Deutschland rund 23 Millionen Tonnen Weizen jährlich und gehört damit zu den sieben größten Erzeugern weltweit und genau hier setzt die Forschung der aus Ankara stammenden Wissenschaftlerin ein: „Mein Ziel ist es fossile Brennstoffe mit lokalen und nachhaltigen Erzeugnissen zu ersetzen und so eine Energieunabhängigkeit zu erreichen“.

An der TUHH möchte die Wissenschaftlerin deshalb landwirtschaftliche Erntereste, beispielsweise Kurzstroh und Spreu, für die Produktion von Biokraftstoffen wie Bioethanol nutzen. „Die Herausforderung besteht darin die widerstandsfähigen Lignozellulose-Materialien der Weizenreste für Bioraffinerieprozesse verdaulich zu machen“, erklärt die Humboldt-Stipendiatin.

Dafür will Isci Yakan grüne, so genannte tiefeutektische Lösungsmittel einsetzen, um die Strukturen der Weizenreste aufzuweichen. Wesentlicher Vorteil dieser Variante ist, dass sie im Vergleich zu herkömmlichen Lösungsmitteln kostengünstiger und biologisch abbaubar ist. „In meiner Zeit an der TU Hamburg möchte ich eine starke und dauerhafte Forschungsallianz zwischen der Türkei und Deutschland aufbauen, um fossile Brennstoffe langfristig mit biologischen Alternativen zu ersetzen“.  (cb)