Heimfeld – Paukenschlag zum Jahreswechsel: Der Senat hat beschlossen, das 95 Hektar große Heimfelder Holz unter Naturschutz zu stellen. Rund die Hälfte der Fläche zwischen Heimfelder Straße und B73 ist Staatsforst, der Rest gehört sei Ende 2012 der ImmoForst OHG aus Dinkelsbühl.

Zunächst wurde für den Wald eine Sicherstellungsverordnung erlassen. Sie gilt erst einmal für zwei Jahre und soll verhindern, dass der private Eigentümer noch „forstwirtschaftliche Verwertungen“ vornimmt. Nach dem Senatsbeschluss am 17. Dezember wurde die Angelegenheit deshalb auch vertraulich behandelt, man wollte noch die inzwischen  erfolgte Veröffentlichung im Amtlichen Anzeiger abwarten.

Anlass für die Veränderungssperre war offenbar die Ankündigung der ImmoForst OHG, nach der nicht genehmigten Einrichtung eines Kletterparks umfangreiche Rodungen vorzunehmen. „Nachdem dieser Ankündigung haben sich Wirtschafts- und Umweltbehörde sowie das Bezirksamt Harburg binnen kurzer Zeit darauf verständigt, eine Sicherstellungsverordnung zu erarbeiten“, sagt Jan Dube, Sprecher der Umweltbehörde.

Heinrich Schabert von der ImmoForst OHG zeigte sich von der Nachricht aus Hamburg völlig überrascht. Vor Wochen habe ihn mal ein Mitarbeiter des Bezirksamts angerufen und gefragt, ob er sein Waldstück nicht verkaufen wolle. Konkretes sei dabei allerdings nicht vereinbart worden. Könnte es zu einer Enteignung kommen? Dube: „Der derzeitige Marktwert übersteigt den Kaufpreis bei weitem. Wir werden den Eigentümer direkt kontaktieren.“

Die ImmoForst OHG hatte Ende 2012 rund 47 Hektar von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) gekauft. Der Forst war zuvor der Stadt Hamburg angeboten worden, die hatte aber kein Interesse. Im Verkaufsprospekt der BImA war ein jährlicher Hiebsatz von 2,6 Erntefestmetern pro Hektar angesetzt worden, mit anderen Worten: Der Forst konnte wirtschaftlich genutzt werden. Darauf hatte die ImmoForst bis vor kurzem verzichtet, sie setzte vielmehr auf eine Freizeitnutzung mit behindertengerechten Kletterpark und einer Seilbahn. Als dies mit dem Hinweis auf Arten- und Landschaftsschutz nicht genehmigt wurde, kündigte der Eigentümer die forstwirtschaftliche Nutzung an. Heinrich Schabert: „Wir rotieren bereits und lassen den ganzen Vorgang juristisch prüfen.“

Aufregung gibt es auch bei Harburger Hundebesitzern, immerhin befindet sich im staatlichen Teil des Heimfelder Holzes eine beliebte, rund zehn Hektar große Hundeauslauffläche. Freilaufende Hund wären aber in einem Naturschutzgebiet nicht erlaubt. Jan Dube: „Da bleibt erstmal alles, wie es ist. In welchem Umfang dies auch künftig beibehalten werden kann, wird im weiteren Verfahren zur Ausweisung des Naturschutzgebiets Heimfelder Holz geklärt.“

Vordergründing geht es bei der Veränderungssperre sicher darum, die Rodungen zu verhindern. Hintergrund ist indes die Einigung zwischen Senat und Naturschutzbund NABU, die Ziele der Volksinitiative „Hamburgs Grün erhalten“ gemeinsam zu unterstützen. Ein erster Schritt ist die Sicherung weiterer Landschafts- und Naturschutzgebiete. „Das Heimfelder Holz ist aus naturschutzfachlicher Sicht eine spannende und wertvolle Fläche“, sagt Umweltsenator Jens Kerstan. „Hier gibt es einen alten Mischwald-Baumbestand.“ Der Wald sei Lebensraum für Fledermaus- und Käferarten, die vom Ausstreben bedroht seien, und außerdem Lebensraum für seltene Pflanzen. ag