Harburg - Rund 1.500 Kilometer liegen zwischen Harburg und der Stadt Gomel in Weißrussland, gelegen im Südosten

nahe der Grenze zur Ukraine. Vier Vertreterinnen des dortigen Rotkreuz-Komitees, das sich unter anderem um Flüchtlinge aus der umkämpften Westukraine sowie um die medizinische und psychosoziale Betreuung von Menschen in der Region Tschernobyl kümmert, waren jetzt zu Besuch beim DRK-Kreisverband.

Auf dem Programm standen unter anderem Besuche im Harburg-Huus für Obdachlose und im Hospiz. „Die Verhältnisse in unseren Ländern sind sehr unterschiedlich, unser Anliegen als Rotkreuzler ist es nicht: Die Pflege von Kranken, die Betreuung von Flüchtlingen und die Unterstützung von sozial schwachen oder obdachlosen Menschen gehören zu unseren wichtigsten Aufgaben. Das gilt in Weißrussland ebenso wie in Harburg und überall auf der Welt“, erklärte DRK-Vorstand Harald Krüger.

In der Geschäftsstelle des Kreisverbandes in der Rote-Kreuz-Straße gab Krüger den Gästen zunächst einen Überblick über das deutsche Sozialsystem, daran anschließend stellte Harald Halpick, Geschäftsführer der DRK-Sozialstation, die Angebote der ambulanten und teilstationären Pflege vor.

In 14 Stadtteilen zwischen Billstedt und Wilhelmsburg sind DRK-Pflegeteams unterwegs, vielen Kunden bleibt damit der Umzug in eine stationäre Pflegeeinrichtung erspart. Auch eine spezialisierte Palliativpflege bietet der Kreisverband an. Im DRK-Hospiz in Langenbek informierte Leiterin Britta True die weißrussischen Gäste über die Betreuung Schwerstkranker, im Harburg-Huus im Außenmühlenweg stellte Thorben Goebel-Hansen das umfassende Konzept in der Obdachlosenhilfe vor. Am Tag zuvor hatte die Delegation eine Flüchtlingsunterkunft sowie die Blutspendezentrale Nord-Ost des DRK besucht.

Die Gäste zeigten sich beeindruckt von dem umfassenden Hilfsangebot von Haupt- und Ehrenamtlichen im Deutschen Roten Kreuz. „Wir freuen uns, hier zu sein und uns mit unseren Rotkreuz-Kolleginnen und Kollegen austauschen zu können. Die Zusammenarbeit und Unterstützung über Grenzen hinweg ist eine der größten Stärken der internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung“, sagte Alesia Kastsiuk, Vorsitzende des Komiteevorstands und Leiterin des Flüchtlingszentrums des Roten Kreuzes in Gomel.

Die 500.000-Einwohner-Stadt ist die zweitgrößte in Weißrussland. Das Sozial- und Gesundheitssystem in dem Land gilt als das am weitesten entwickelte aller ehemaligen Sowjetstaaten. Die Rotkreuz-Gesellschaft hat landesweit mehr als 400 hauptamtliche Mitarbeiter und etwa 25.000 Freiwillige.

Hauptaufgaben sind Seniorenbetreuung, Flüchtlingshilfe im Auftrag der Vereinten Nationen, derzeit vor allem für die zahlreichen Geflohenen aus der Westukraine. Auch die Betreuung von HIV-Infizierten und die Unterstützung des staatlichen Blutspendedienstes gehören zu den Schwerpunkten. Tschernobyl, wo es im April 1986 zu einer schwerwiegenden nuklearen Verseuchung kam, liegt wenige Kilometer von der Grenze zu Weißrussland entfernt auf ukrainischem Staatsgebiet. Die Auswirkungen der Katastrophe betreffen die gesamte Region bis heute.  (cb)