Wilstorf –  20 Jahre nach ihrem Abriss gibt es Hoffnung auf eine neue Wasmerstraßenbrücke. Das Bezirksamt prüft zurzeit gemeinsam mit der Behörde für

Stadtentwicklung und Wohnen, ob der Neubau machbar und vor allem finanzierbar ist. Das könnte gelingen, wenn der Bereich Wilstorf-Reeseberg vom „Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung“ (RISE) gefördert wird.

Die Brücke über heute rund 20 genutzte und stillgelegte Gleise war 1999 abgerissen worden. Trotz aller Proteste wollte Bausenator Eugen Wagner kein Geld für eine Sanierung und schon gar nicht für einen Neubau zur Verfügung stellen. Offenbar hatten die paar Hundert Siedler vom Kanzlershof keine starke Lobby. Dass sie nun zu den Discountern am Reeseberg einen dreimal so langen Weg auf sich nehmen mussten, war im Vergleich zu den Kosten für einen Neubau das geringere Übel.

Der damalige SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Rüdiger Schultz, der ganz in der Nähe wohnt, hielt lautstarke Proteste sogar für schädlich. Er wirke lieber im Stillen. So gesehen war er zumindest in Sachen Wasmerstraßenbrücke wirkungslos. Auch der SPD-Bezirksabgeordnete Torsten Fuß wurde aktiv, öffentlich laut und gelegentlich auch im Stillen. Den Durchbruch schaffte er auch nicht.

Zwölf Jahre später ergriff Ronald Preuß, Bezirksabgeordneter der Grüne, die Initiative für einen Neubau. Er schlug vor, die Brücke als Lückenschluss für den 2. Grünen Ring, einer stadtumfassenden Vernetzung von Grünanlagen, zu finanzieren. Dem wurde auch grundsätzlich zugestimmt, nur das Geld fehlte.

In den vergangenen Jahren hatte der Ex-Grüne Kay Wolkau, zuletzt Fraktionschef der Neuen Liberalen, das Thema immer wieder auf die Tagesordnung der Bezirksversammlung gebracht – zuletzt im April 2019, als fast jeder Antrag mit wechselnden Mehrheiten beschlossen wurde.

Jetzt, Anfang Juli, haben das Bezirksamt und die zuständigen Fachbehörden auf den Antrag reagiert, bei den  Neuen Liberalen wird das den Frust über ihr Ausscheiden nach der Bezirkswahl noch steigern. Jedenfalls tut sich in Sachen Wasmerstraßenbrücke tatsächlich etwas, erstmal nur in der „Problem- und Potenzialanalyse“ für das geplante RISE-Gebiet Wilstorf-Reeseberg. Dort ist zu lesen: „Die Wiederherstellung der Wasmerstraßenbrücke würde sowohl räumlich übergeordnet, als auch lokal gesehen eine wichtige Querungsmöglichkeit der Gleise darstellen. Darüber hinaus würde durch einen Wiederaufbau der Brücke eine bessere Anbindung der bestehenden und geplanten Gewerbe- und Industiergebiete westlich und nördlich des Neuländer Sees entstehen. Diese würde die Wege zu den dort vorhandenen Arbeitsplätzen mit dem Fahrrad deutlich verkürzen und attraktiver machen. Momentan muss, wegen des Abrisses der baufälligen Brücke in den 1990er-Jahren, auf die Schlachthofbrücke nördlich des Untersuchungsgebiets oder die Unterführung am Vorderkamp ausgewichen werden. Entsprechend dieser Bedeutung wird der Wiederaufbau der Brücke auch als „1A-Priorität“ im Lückenschlussprogramm der Behörde für Umwelt und Energie geführt.“ ag